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Vogelgrippe

21.02.2006
 

Tote Vögel und Panikmache - “H5N1” oder die Alphanumerik des Schreckens

von Ralph Kutza

In Deutschland kursiert die medial geschĂĽrte Angst vor der Vogelgrippe. Es begann mit dem Auffinden toter Wild- und Wasservögel im Nordwesten der Insel RĂĽgen. VerblĂĽffend nahe ist auf der Insel Riems, im Volksmund auch Seucheninsel genannt, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) untergebracht.

Das FLI führte nach eigenen Angaben zusammen mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erneut eine Notfallübung durch. Vom 31.01. bis 02.02.06 hätten dabei an der BBK-eigenen Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler rund 30 Fachleute den Ernstfall geprobt. Anhand eines realitätsnahen Szenarios für einen Ausbruch der Vogelgrippe/Geflügelpest in Deutschland hätten die Teilnehmer einen umfangreichen Handlungsplan erstellt, welcher nicht nur aus der direkten Seuchenbekämpfung bestanden, sondern u.a. auch die Koordination der beteiligten Behörden sowie Tier- und Umweltschutzbelange beinhaltet habe.
Wenige Tage nach dieser FLI-Ăśbung fanden sich die ersten Tierkadaver auf RĂĽgen.
Während man seitens der Bundesregierung den lokalen Behörden und der Linkspartei-Landrätin Kerstin Kassner Versagen unterstellte, wurde die Bundeswehr – kaum daß sie unmittelbar zuvor hinsichtlich gewünschter Abschußermächtigungen von Zivilflugzeugen vom Bundesverfassungsgericht auf den Boden des Grundgesetzes zurückgeholt worden war - als vermeintlich unverzichtbarer Freund und Helfer in Zeiten scheinbar sich umfassend ausbreitender Katastrophen dargestellt.
Wie aber die Vogelgrippe nach Rügen gelangt sein soll, dafür fehlt von offizieller oder Expertenseite bislang jegliche nachvollziehbare und allgemein akzeptierte Erklärung.
Schon die Diagnosemeldungen bzw. -bestätigungsverfahren sind irritierend. Regelmäßig wird abgewartet, bis das EU-Referenzlabor nahe London die Diagnose “H5N1” als wissenschaftliche Wahrheit verkündet. Daß dieser Quasi-Ex-Cathedra-Spruch einer einzigen Institution überhaupt abzuwarten bleibt, ist aber im Rahmen exakt-wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden, die eine Ergebniswiederholbarkeit durch beliebige, dazu befähigte Dritte verlangen, höchst erstaunlich. Dies umso mehr, als am FLI das “nationale Referenzlabor für aviäre Influenza” untergebracht ist.
Beinahe ketzerisch wirkt da die gegenüber dem Magazin “Focus” gemachte Aussage des Münchner Ornithologen Josef Reichholf: “Das Geflügel kann sich über verseuchtes Fischmehl, das häufig Bestandteil von Futtermitteln ist, angesteckt haben.”
Der Göttinger Angstforscher Prof. Borwin Bandelow meinte laut dpa, daß die Vogelgrippe “Urängste” auslöse, da sie „wie eine biblische Plage“ wahrgenommen werde. “Sie kommt von oben, ist unkontrollierbar, unbeherrschbar und geht um die ganze Welt.” Er rechne mit einer zunehmenden Panikstimmung. “Dabei ist die Gefahr, vom Blitz erschlagen zu werden, sicher höher als die Gefahr, durch ein Vogelgrippevirus zu Tode zu kommen.”
Doch bei der WHO sieht man das offenkundig erheblich anders, was pharmazeutischen Herstellern wie etwa Roche (Produzent des nicht unumstrittenen Grippemittels Tamiflu) in geschäftlicher Hinsicht gewiß nicht ungelegen kommen dürfte. Bereits im November 2004 gab die WHO erstaunlicherweise bekannt, selbst im günstigsten Falle sei mit “zwei bis sieben Millionen Toten” zu rechnen. Nun, bis zum 13. Februar 2006 war man bei weltweit immerhin 91 Verstorbenen angelangt, denen man “H5N1” als Todesursache zuschrieb, wie begründet auch immer. Eine höchst bemerkenswerte Diskrepanz, die längst Fragen nach dahinterstehenden Motiven dieser Millionenhascherei aufwerfen sollte.
Stattdessen wird nun allerdings seitens eines in Australien beheimateten Think Tanks erheblich draufgesattelt. Das Lowy Institute, in dessen “International Advisory Council” so illustre Persönlichkeiten wie Medienmogul Rupert Murdoch und der frühere Weltbankchef und Wolfowitz-Vorgänger Wolfensohn sitzen, brachte nämlich just diesen Monat die Studie “Global Macroeconomic Consequences of Pandemic Influenza” heraus, die gleich in der Einleitung unzweideutig Bezug auf “H5N1” bzw. Vogelgrippe nimmt. Im extremsten Szenario, mit “Ultra” bezeichnet, rechnen die Autoren Warwick und Sidorenko mit 142 Millionen Toten weltweit. Zudem würden weltweite wirtschaftliche Verluste von 4,4 Billionen Dollar drohen. Im Falle einer solchen Katastrophe würde außerdem Kapital aus Entwicklungsländern und Emerging Markets fliehen und in Nordamerika und Europa Zuflucht suchen.

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