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Beckstein und Iran

12.06.2006

 

Beckstein und die wundersamen Warnungen vor Provokationen iranischer Agenten

 
von Dr. Ralph Kutza
 

Der bayerische Innenminister Beckstein, CSU, warnte in den letzten Tagen wiederholt davor, daß womöglich „iranische Agenten bei der Fußball-WM ZwischenfĂ€lle provozieren wollen. Der französische Geheimdienst soll deutsche Sicherheitsstellen gewarnt haben“.

Nun, denkbar ist bekanntlich viel. Aber ist es auch halbwegs glaubhaft bzw. besitzt es auch nur einen Hauch von Wahrscheinlichkeit? Ist etwa die iranische Regierung so suizidal verlangt, daß sie freiwillig den Vorwand fĂŒr einen lĂ€ngst vorbereiteten Krieg gegen den Iran liefert und Terrorakte in NATO-Staaten verĂŒben lĂ€ĂŸt?

Muß man womöglich angesichts dieser wundersamen InformationsauswĂŒrfe bayerischer Provinzpolitiker, nachdem sie angeblich mit Topinformationen französischer Geheimdienstler zu den aktuell denkbar brisantesten HintergrĂŒnden der Weltpolitik ĂŒberhaupt gefĂŒttert wurden, neuerdings sozusagen von einer deutschlandweit ĂŒberlegenen Intelligence Bavaroise ausgehen? - NatĂŒrlich nicht!

Weiß ein bayerischer Innenminister, sonst eher bekannt fĂŒr deftige BierzeltsprĂŒche und hartes Durchgreifen gegen Demonstranten bei der alljĂ€hrlichen MĂŒnchner NATO-Konferenz (von vielen Teilnehmern hĂ€ufig auch prĂ€gnant „Kriegstreibertagung“ genannt statt „Sicherheitskonferenz“ oder „Wehrkundetagung“), und zwar bundesweit er alleine, tatsĂ€chlich mehr ĂŒber Gefahren „iranischer Agentenprovokationen“ als z.B. der Bundesinnenminister SchĂ€uble oder der Außenminister Steinmeier, von denen solche Warnungen nicht zu vernehmen sind?

Nun, das ist wahrlich nicht zu vermuten.

Was Beckstein einerseits von sich gibt, und was er vor allem anderseits nicht verkĂŒndet, das allerdings ist durchaus einer nĂ€heren Betrachtung wert.

Beckstein könnte schließlich auch wiedergeben, daß bereits wenige Tage (Ende Mai) zuvor eine andere ominös-groteske „Warnung“ im Nahen Osten plaziert wurde, die de facto den Iran in ein schlechtes Licht rĂŒckte oder rĂŒcken sollte. Ihr zufolge (laut Ynet bzw. al-Watan) wĂ€ren angeblich AnschlĂ€ge von Hisbollah-Zellen (also gerade nicht iranisch-staatlichen Agenten) zu befĂŒrchten, die belegen sollten, daß der Iran zur Vergeltung in der Lage wĂ€re, sollte er angegriffen werden. Warum unterlĂ€ĂŸt es Beckstein, dies zu erwĂ€hnen? Etwa weil dann ein Muster erkennbar wĂ€re - eines, das allen möglichen unbelegten Unsinn verbreitet, Hauptsache der Iran wird als TĂ€ter und bzw. schuldiger Drahtzieher dargestellt?

Beckstein könnte auch – was er wenig ĂŒberraschend aber ebenfalls unterlĂ€ĂŸt - die Warnungen von Ray McGovern zitieren, immerhin langjĂ€hriger frĂŒherer CIA-Analyst und US-PrĂ€sidentenberater. McGovern hatte sich erst jĂŒngst mutig bei einer Publikumsfragerunde im Anschluß an eine Rumsfeld-Rede mit so ĂŒberaus deutlichen VorwĂŒrfen (zu LĂŒgen bezĂŒglich behaupteter/erfundener LagerstĂ€tten irakischer Massenvernichtungswaffen) in Richtung Rumsfeld hervorgewagt, daß dieser ziemlich strauchelnd reagierte, ja beinahe hilflos stammelte.

Aktuell befĂŒrchtet McGovern jedenfalls inszenierte (d.h. von „westlichen“ Geheimdiensten durchgefĂŒhrte oder zugelassene/unterstĂŒtzte) TerroranschlĂ€ge in Europa und/oder den USA, um PlĂ€ne der Bush-Administration zu rechtfertigen, den Iran militĂ€risch anzugreifen, was bereits im Juni oder Juli der Fall sein könnte (jedenfalls zeitlich einigermaßen deutlich vor den Herbstwahlen zum US-Kongreß).
Beckstein schweigt zu solchen EinschĂ€tzungen. Weil nicht sein kann, was im bĂŒrgerlichen Bewußtsein nicht sein darf?

Was aber ist wahrscheinlicher?
Daß iranische Agenten „Provokationen“ ausfĂŒhren, um die iranische Opposition zu diskreditieren, obwohl das, sollten sie „geschnappt“ werden, ein unvergleichliches außenpolitisches Fiasko fĂŒr den Iran bedeuten wĂŒrde?
Oder daß ein etwaiger Vorfall indirekt oder direkt dem Iran in die Schuhe geschoben werden soll (schlimmstenfalls als propagandistischer Kriegsvorwand), wĂ€hrend die eigentlichen TĂ€ter in “eigenen” Geheimdienstkreisen (wie CIA oder Mossad) zu finden wĂ€ren?

Drei Beispiele sollen der besseren EinschÀtzung der hier zur Frage stehenden Wahrscheinlichkeit dienen:

  1. Der Luftangriff der USA unter PrÀsident Reagan auf Libyen
  2. Der Angriff Israels auf die USS Liberty
  3. Die EinschĂ€tzung des Mossad durch amerikanische MilitĂ€rakademien als „Wildcard“

1. Der Mossad-Aussteiger Victor Ostrovsky berichtet in seinem Buch „Geheimakte Mossad“ ĂŒber die „erfolgreich“ angewandten miesen geheimdienstlichen Tricks, die Libyen in ein schlechtes Licht werfen, und die USA zu einem militĂ€rischen Angriff auf Libyen veranlassen sollten.

    „Ein Trojaner war ein besonderer Kommunikationsapparat, der von Marinekommandos tief im Feindesland angebracht wurde. Der Apparat fungierte als Relaisstation fĂŒr Mitteilungen, die von der Desinformations-Abteilung des Mossad, kurz LAP genannt, ausgesandt wurden, um den Gegner in die Irre zu fĂŒhren. Die Konserven-Aufnahmen wurden von einem Schiff der israelischen Marine auf dem offenen Meer ausgesendet. Es benutzte eine nicht entschlĂŒsselbare digitale Übertragung, die nur von dem Trojaner empfangen werden konnte. Der Apparat sendete dann die Meldung erneut auf einer anderen Frequenz, die fĂŒr offizielle Angelegenheiten im Feindesland benutzt wurde. Sie wurde dann von amerikanischen Horchstationen in England oder sonstwo aufgefangen.
    Die Amerikaner gingen mit Sicherheit davon aus, daß sie eine echte (in diesem Fall libysche) Meldung aufgefangen hatten, von daher der Name Trojaner — in Erinnerung an das Trojanische Pferd aus der Mythologie. Der Inhalt der Botschaften bestĂ€tigte nach der Dechiffierung Informationen anderer Geheimdienstquellen, insbesondere die des Mossad. Der Trojaner selbst mußte so nahe wie möglich an der ĂŒblichen Quelle solcher Meldungen plaziert werden, weil die Amerikaner durch ausgeklĂŒgelte trigonometrische Berechnungen die Quelle verifizieren konnten.
    Zwei Eliteeinheiten der Armee waren fĂŒr die exakte Plazierung des Apparates zustĂ€ndig, die Matkal-AufklĂ€rungseinheit und die Flotilla 13, das heißt die Marinekommandos. Bei dieser Operation plazierte die Flotilla 13 einen Trojaner in Tripolis, Libyen.
    In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar waren zwei israelische Flugkörper-Schnellboote, die »SAAR 4« der Moledet-Klasse, bestĂŒckt mit Boden-Boden-Raketen vom Typ Harpoon und Gabriel, dem Anti-Raketen-System »Vulcan Falanx«, 20-mm-Maschinenkanonen und 0.5'-Kanonen, sowie die »Geula« der Hohit-Klasse mit einer Helikopterplattform und Helikoptern sowie der regulĂ€ren »SAAR-4«-Bewaffnung auf einer scheinbar routinemĂ€ĂŸigen Patrouille im Mittelmeer Richtung Sizilien unterwegs. Sie fuhren wie ĂŒblich gerade außerhalb der libyschen TerritonialgewĂ€sser. Die Kriegsschiffe drosselten mitten in der Nacht nördlich von Tripolis ihre Geschwindigkeit auf vier Knoten. Da sie fĂŒr das Radar sowohl in Tripolis als auch auf der italienischen Insel Lampedusa sichtbar waren, verlangsamten sie ihre Fahrt so lange, bis ein Team von zwölf Kampfschwimmern in vier sogenannte nasse U-Boote, die dicht unter der WasseroberflĂ€che fuhren, sogenannte »Schweine«, und zwei Schnellboote mit niedriger Silhouette, sogenannte »Vögel« ĂŒbersetzen konnten. Die »Schweine« konnten jeweils zwei Kampfschwimmer in voller AusrĂŒstung transportieren. Die »Vögel«, ausgerĂŒstet mit einem 7.62-Kaliber-MG und einer Reihe tragbarer panzerbrechender Raketen, konnten je sechs Kampfschwimmer aufnehmen und die leeren »Schweine« ins Schlepp nehmen. Sie brachten die Kommandos so nahe wie möglich an die KĂŒste heran, wodurch die Distanz, die die »Schweine« zurĂŒcklegen mußten, erheblich reduziert wurde. Die »Schweine« waren versenkbar und sehr leise, aber relativ langsam.
    Die libysche KĂŒste war dreieinhalb Kilometer entfernt. Im SĂŒdwesten glitzerten die Lichter von Tripolis. Acht Kampfschwimmer stiegen in die »Schweine« um und nahmen Kurs auf die KĂŒste. Die »Vögel« blieben an einem festgelegten Treffpunkt zurĂŒck, zu »gewalttĂ€tigen Aktionen« bereit, sofern es die Situation erforderte. Die acht Kommandos, in ihren GummimaßanzĂŒgen bis an die ZĂ€hne bewaffnet, gingen an Land. Die Einheit ließ ihre wie Zigarren geformten Transporter im flachen Wasser abgesenkt zurĂŒck und marschierte landeinwĂ€rts. Zwei Mann trugen den Trojaner, einen 1,80 Meter langen dunkelgrĂŒnen Zylinder von 18 Zentimeter Durchmesser.
    Ein grauer Lieferwagen stand am Straßenrand, etwa 30 Meter vom Strand entfernt Es war die Schnellstraße von Tripolis nach Sabratha und Bengasi. Um diese Zeit gab es kaum Verkehr. Der Fahrer des Wagens schien einen Platten zu reparieren Als sich das Team nĂ€herte, hörte er mit seiner Arbeit auf und öffnete die rĂŒckwĂ€rtige TĂŒr des Lieferwagens. Er war ein Mossad-KĂ€mpfer. Ohne ein Wort sprangen vier Mann in den Wagen und fuhren Richtung Stadt. Die anderen vier kehrten zum Strand zurĂŒck und nahmen bei ihren abgetauchten »Schweinen« eine Verteidigungsstellung ein. Ihre Aufgabe war es, eine Fluchtroute fĂŒr das andere Team offenzuhalten, falls Probleme auftauchen sollten.
    Gleichzeitig war ein israelisches Geschwader sĂŒdlich von Kreta mit aufgetankten Maschinen einsatzbereit. Es war in der Lage, BodenkrĂ€fte von der Kommandoeinheit fernzuhalten und ihnen einen nicht ganz sauberen Abgang zu sichern. Zu jenem Zeitpunkt war die kleine Einheit in drei Gruppen geteilt, was sie extrem verwundbar machte. Sollte eine Gruppe auf feindliche KrĂ€fte stoßen, war sie angewiesen, mit grĂ¶ĂŸter ZurĂŒckhaltung zu agieren, bevor der Feind zum Angriff ĂŒberging.
    Der Lieferwagen parkte hinter einem AppartementgebĂ€ude an der AI Jamhunyh-Straße in Tripolis, keine drei Blocks von der Bab-al-Azizia-Kaserne entfernt, von der man wußte, daß sie Gaddafis Hauptquartier und Residenz war. Die MĂ€nner hatten inzwischen Zivil angelegt Zwei blieben bei dem Wagen zurĂŒck, um Schmiere zu stehen, die anderen beiden halfen dem Mossad-KĂ€mpfer, den Zylinder in den obersten Stock des fĂŒnfstöckigen GebĂ€udes zu schaffen Der Zylinder war in einen Teppich gewickelt. In dem Appartement wurde die Kappe des Zylinders geöffnet und eine kleine tellerĂ€hnliche Antenne entfaltet, die vor dem Fenster in Nordrichtung angebracht wurde. Der Apparat wurde eingeschaltet, und damit war das Trojanische Pferd an seinem Platz. Der Mossad-KĂ€mpfer hatte die Wohnung fĂŒr sechs Monate gemietet und die Miete im voraus bezahlt. Außer fĂŒr ihn gab es fĂŒr niemanden einen Grund, das Appartement zu betreten. Wenn es jedoch jemand tĂ€te, wĂŒrde sich der Apparat selbst zerstören, wobei der grĂ¶ĂŸte Teil des Obergeschosses mit in die Luft fliegen wĂŒrde. Die drei MĂ€nner gingen hinunter zum Wagen und fuhren zurĂŒck zum Strand. Nachdem er die Leute abgesetzt hatte, fuhr der KĂ€mpfer wieder in die Stadt, um das Trojanische Pferd in den nĂ€chsten Wochen zu ĂŒberwachen Die Kommandos legten unverzĂŒglich mit ihren »Schweinen« ab, denn sie wollten nicht bei Tagesanbruch in libyschen GewĂ€ssern erwischt werden. Sie erreichten die »Vögel« und rasten mit voller Geschwindigkeit zu einem Treffpunkt, wo sie von den Flugkörper-Schnellbooten wieder an Bord genommen wurden.
    Bereits Ende MĂ€rz empfingen die Amerikaner Nachrichten, die von dem Trojanischen Pferd ausgestrahlt wurden. Der Apparat war nur zu Tageszeiten mit starkem Funkverkehr aktiviert. Der Mossad sandte eine lange Reihe von terroristischen Befehlen an verschiedene libysche Botschaften in der ganzen Welt (beziehungsweise an die VolksbĂŒros, wie sie von den Libyern genannt werden). Die Nachrichten wurden von den Amerikanern dechiffriert, sie schienen ihnen hinreichende Beweise dafĂŒr zu liefern, daß die Libyer hinter terroristischen AktivitĂ€ten in der ganzen Welt steckten, und bestĂ€tigten die entsprechenden Berichte des Mossad.
    Die Franzosen und Spanier gingen dieser InformationsfĂŒlle nicht auf den Leim. Ihnen kam es seltsam vor, daß die Libyer, die in der Vergangenheit bezĂŒglich ihres Funkverkehrs sehr vorsichtig gewesen waren, aus blauem Himmel heraus plötzlich ihre Aktionen ankĂŒndigten. Sie fanden es auch verdĂ€chtig, daß die Berichte des Mossad in einer Sprache verfaßt waren, die den chiffrierten libyschen Botschaften auf merkwĂŒrdige Weise glich. Sie argumentierten, daß fĂŒr den Fall, daß diese Informationen stimmten, der Angriff auf die Diskothek La Belle am 5. April in West-Berlin hĂ€tte verhindert werden können, weil zwischen der Anweisung und der DurchfĂŒhrung des Anschlags genĂŒgend Zeit gewesen sei, um einzugreifen. Und da dies nicht geschehen sei, konnte er nicht auf das Konto der Libyer gehen, und die neuen Informationen seien ihrer Ansicht nach ein Schwindel. Sie hatten recht. Die Information war ein Schwindel, und der Mossad hatte keinen Anhaltspunkt dafĂŒr, wer die Bombe ins La Belle warf, die einen Amerikaner tötete und zahlreiche weitere verwundete. Aber der Mossad war mit so vielen der europĂ€ischen Terroristen-Organisationen verbandelt und wußte, daß es in der unheilvollen AtmosphĂ€re in Europa nur eine Sache der Zeit war, bis ein Bombenattentat geschah, bei dem es ein amerikanisches Opfer gab.
    Die Mossad-Spitze rechnete fest mit dem amerikanischen Versprechen, einen Vergeltungsschlag gegen jedes Land zu fĂŒhren, das nachweislich den Terrorismus unterstĂŒtzte. Das Trojanische Pferd lieferte den Amerikanern den Beweis, den sie brauchten. Der Mossad benutzte auch Gaddafis Psychopathen-Image und seine ErklĂ€rungen - die tatsĂ€chlich nur fĂŒr den inneren Gebrauch gedacht waren -, um die richtige AtmosphĂ€re fĂŒr einen Schlag gegen Libyen zu erzeugen. Es darf nicht verschwiegen werden, daß Gaddafi im Januar die Große Syrte zu libyschem TeritorialgewĂ€sser erklĂ€rt hatte. Die gedachte Linie zwischen dem westlichen und dem östlichen Eckpunkt des Golfes nannte er »Todeslinie«, was ihm nicht gerade ein moderates Image verlieh. Die Amerikaner fielen Hals ĂŒber Kopf auf die List herein und zogen die etwas widerstrebenden EnglĂ€nder mit sich.
    Die Trojanische Operation konnte als Erfolg verbucht werden. Sie fĂŒhrte zu dem Luftschlag, den PrĂ€sident Reagan versprochen hatte. Der amerikanische Angriff hatte fĂŒr den Mossad ein dreifaches Ergebnis. Er brachte einen Deal zur Entlassung der amerikanischen Geiseln im Libanon zum Scheitern, wodurch die Hisbollah in den Augen des Westens Feind Nummer eins blieb. Er war auch eine Botschaft an die gesamte arabische Welt, der noch einmal verdeutlicht wurde, wo die Amerikaner im arabisch-israelischen Konflikt standen. Und drittens ging das BĂŒro daraus als großer Held hervor, der die USA mit lebenswichtigen Informationen fĂŒr den Kampf gegen den Weltterrorismus versorgt hatte.
    Nur die Franzosen und die Spanier fielen auf den Mossad-Trick nicht herein. Sie waren entschlossen, sich bei diesem aggressiven Akt nicht auf die Seite der Amerikaner zu stellen und erlaubten den amerikanischen Bombenflugzeugen nicht, auf ihrem Weg zum Angriff auf Libyen ihr Territorium zu ĂŒberfliegen. Damit zeigten sie deutlich, daß sie mit der Aktion nicht einverstanden waren.
    In der Nacht zum 15. April 1986 warfen einhundertsechzig amerikanische Flugzeuge ĂŒber sechzig Tonnen Bomben ĂŒber Libyen ab. Die Angreifer bombardierten den internationalen Flughafen von Tripolis, die Bab-al-Azizia-Kaserne, die Marinebasis Sidi Bilal, die Stadt Bengasi und den MilitĂ€rflughafen Banina außerhalb von Bengasi. Die Flugzeuge kamen aus England und von FlugzeugtrĂ€gern im Mittelmeer. Aus England waren 24 F-lll aus Lakenheath gestartet, 5 EF-111 aus Upper Heyford und 28 Tankflugzeuge aus Mildenhall und Fairford. Sie wurden unterstĂŒtzt von 18 A-6 und A-7 Kampf- und KampfunterstĂŒtzungsflugzeugen, 6 F/A-18 JĂ€gern, 14 EA-6B elektronischen Störflugzeugen und anderen unterstĂŒtzenden Systemen. Die Marineflugzeuge kamen von den FlugzeugtrĂ€gern »Coral Sea« und »America«. Auf libyscher Seite gab es annĂ€hernd vierzig zivile Opfer, einschließlich der Adoptivtochter Gaddafis. Auf amerikanischer Seite wurden ein Pilot und sein Waffensystemoffizier getötet, als ihr Flugzeug explodierte. Nach der Bombardierung brach die Hisbollah die Verhandlungen ĂŒber die Geiseln ab, die sie in Beirut gefangenhielt, und richtete drei von ihnen hin, einschließlich des Amerikaners Peter Kilburn. Andererseits wurden die Franzosen fĂŒr ihre Nichtbeteiligung an dem Angriff durch die Entlassung eines französischen Journalisten, der in Beirut als Geisel festgehalten wurde, belohnt, wie man spĂ€ter erfuhr. (Wie der Zufall so spielt, hatte eine verirrte Bombe bei dem Luftangriff die französische Botschaft in Tripolis getroffen.)“

 

2. Am 8. Juni 2006 jÀhrte sich zum 39. Mal der Angriff israelischer StreitkrÀfte auf das amerikanische AufklÀrungsschiff USS Liberty. Von der Besatzung wurden 34 getötet und 173 verletzt .
Der Angriff erfolgte wĂ€hrend des Sechstagekriegs 1967. Mehrere israelische Kampfflugzeuge attackierten damals das in internationalen GewĂ€ssern im Mittelmeer langsam dahinfahrende, damals hochmoderne US-AufklĂ€rungsschiff, das laut Überlebendenaussagen klar als amerikanisches Schiff identifizierbar war (Flagge am Heck; Außenbordwand-Markierungen). Die israelischen Flugzeuge griffen ohne jegliche Warnung mit Raketen an, setzten ihre Bordkanonen und sogar Napalm ein. Gleichzeitig wurden augenscheinlich sĂ€mtliche amerikanischen Notfall-FrequenzkanĂ€le der Liberty gestört („Jamming“).
Im Anschluß an den Lufwaffenangriff nĂ€herten sich israelische Torpedoboote, schossen mehrere Torpedos auf die bereits schwer lĂ€dierte Liberty ab, und feuerten dann auch noch lĂ€ngsschiffs mit ihren Schiffskanonen auf die Liberty. Eine Versenkungsabsicht ist schwerlich zu leugnen. Erfolgreich gelang es der US-Besatzung aber, verzweifelt um ihr nacktes Überleben zu kĂ€mpfen, d.h. erstens das Sinken zu verhindern und zweitens auf Basis der TrĂŒmmer der zerschossenen Kommunikationsanlagen kurzfristig provisorische SendefĂ€higkeit wiederzuerlangen und bei der flugzeugtrĂ€gerbestĂŒckten Sechsten US-Flotte eine so dringend benötigte Rettung anzufordern. Deren US-Flugzeuge erhielten unverschlĂŒsselte Abschußgenehmigung bezĂŒglich der ominösen Angreifer und umgehend verschwanden die Torpedoboote. Auch ein bereits ĂŒber der Liberty schwebender Helikopter mit israelischen Soldaten als Enterkommando in voller Kampfmontur flog unverrichteter Dinge wieder weg. Unmittelbar darauf meldete sich das israelische MilitĂ€r beim amerikanischen, man habe wohl versehentlich ein amerikanisches Schiff angegriffen, das man mit einem Ă€gyptischen verwechselt habe. Die US-Regierung akzeptierte letztlich diese laue Ausrede, sehr zum Mißfallen höchster MilitĂ€rs (wie Admiral Thomas Moorer) oder entgegen der EinschĂ€tzung des frĂŒheren CIA-Chefs Richard Helms.
Wenn man das Schiff fĂŒr ein Ă€gyptisches hielt, warum erfolgte dann laut einhelligen Berichten der Überlebenden der Liberty der Angriff mit unmarkierten Kampfflugzeugen (ohne Hoheitszeichen)? Dieses Detail ist Ă€ußerst wichtig und es ist vielsagend, daß sich Israel bis heute dazu nicht Ă€ußert – auch zu den Jamming-Anschuldigungen der US-Notfallfrequenzen nicht!
Unter Fachleuten ist lĂ€ngst völlig unbestritten, daß das israelische MilitĂ€r genau wußte, was es tat. Aber warum sollte Israel ein US-Schiff versenken wollen?
James Bramford (bekannt vor allem durch einen WĂ€lzer ĂŒber die NSA) spekuliert wenig ĂŒberzeugend, das israelische MilitĂ€r habe Massaker an hunderten Ă€gyptischen Soldaten (Kriegsgefangenen) vor dem modernen AufklĂ€rungsschiff verbergen wollen.
Andere (Joseph Daichman in einem Werk ĂŒber die Geschichte des Mossad) meinen, daß - wenn die Liberty weiter nach Osten (Richtung Syrien) gefahren wĂ€re - die Sowjets (mit Syrien verbĂŒndet) die Funkspruchausstrahlungen hĂ€tten abhören und somit kriegswichtige militĂ€rische Details der israelischen Stellungen und Planungen an die Araber weiterleiten können, was ein Angriffsmotiv gewesen sein könnte. Aber solcherlei Spekulation ĂŒberzeugt in keinster Weise.
Mit Abstand am plausibelsten ist denn auch, was am 10. Juni 2003 die BBC in ihrer Liberty-Dokumentation „Dead in the Water“ ausstrahlte. Der BBC zufolge hat nĂ€mlich der Angriff auf die USS Liberty beinahe zu einem atomaren Schlag der USA gegen Ägypten gefĂŒhrt, welches irrtĂŒmlich kurzfristig fĂŒr hinter dem Angriff stehend gehalten worden sei.
Im Jahr 2003 veröffentlichte zudem der Journalist Peter Hounam „Operation Cyanide: How the Bombing of the USS Liberty Nearly Caused World War III”. Darin sagt er, Israel und US-PrĂ€sident Johnson seien insgeheim darin ĂŒbereingekommen, daß die Liberty versenkt werden sollte - mit vollstĂ€ndigen Verlust der Besatzung. Daher sei auch Geleitschutz fĂŒr die Liberty vorab abgelehnt worden. Die Attacke wĂ€re dann Ägypten in die Schuhe geschoben worden, was den USA erlaubt hĂ€tte, Ägypten anzugreifen. Als aber nach zwei Stunden die Liberty noch immer nicht versenkt worden wĂ€re, hĂ€tte man den Plan schnell gewechselt. Israel habe sich fĂŒr den „versehentlichen“ Angriff entschuldigt und eine Vertuschungskampagne habe eingesetzt.
Oh! Da fÀllt eine gewisse ParallelitÀt des spÀteren US-Angriffs auf Libyen nach dem Legen falscher FÀhrten durch den israelischen Mossad ins Auge, nicht wahr?
 

3. Eine recht aktuelle Studie innerhalb des amerikanischen MilitĂ€rs schĂ€tzt den Mossad als hochgefĂ€hrlich ein. Die Washington Times bezieht sich im Artikel „U.S. troops would enforce peace under Army study “ (Washington Times vom 10. September 2001 [sic!]) auf eine 68-seitige Studie der Army School of Advanced Military Studies (SAMS). Über den Mossad Ă€ußerten sich dabei SAMS-Offiziere so: „Wildcard. Ruthless and cunning. Has capability to target US forces and make it look like a Palestinian/Arab act."
Der Mossad sei also ein rĂŒcksichtsloser, abgefeimter Joker und dazu fĂ€hig, US-StreitkrĂ€fte anzugreifen und es wie eine palĂ€stinensische/arabische Tat aussehen zu lassen.


Damit sollte die Frage, ob eher Becksteins oder McGoverns Warnungen fundiert und berechtigt sind, leicht beantwortbar sein.
Was aber wohl Herr Beckstein von solchen Erkenntnissen hĂ€lt? Vermutlich will er davon nichts hören, sehen und auch nicht darĂŒber sprechen.
Er schwadroniert vermutlich lieber auch weiterhin ĂŒber potentielle iranische Agenten, die möglicherweise „provozieren“ wollen. Aber mal ehrlich, Herr Beckstein, „verwechseln“ Sie da nicht etwas?
Das mit „provozierenden iranischen/persischen Agenten“ auf deutschem Boden war doch zu Schahzeiten (ĂŒbrigens auch Anfang Juni 1967, wie der infame Angriff auf die USS Liberty), als die sogenannten Jubelperser, eingeflogene Geheimdienstschergen des Schahs von Persien, auf protestierende deutsche Studenten eindroschen, und als gleichentags Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde.

Vielleicht sollte Herr Beckstein sich in einer ruhigen Minute einmal ĂŒberlegen, wofĂŒr er sich da einspannen lĂ€ĂŸt. Ein weiterer Lesetipp fĂŒr ihn könnte ein NewsMax-Artikel vom 8. November 2002 sein. Er ist ĂŒbertitelt mit: „Sharon: Iran Next on War List“ ([sinngemĂ€ĂŸ:] Scharon: Der Iran steht als nĂ€chstes auf der Kriegsagenda an). Ein Satz darin lautet: „In einem Exklusivinterview mit der New York Post sagte Scharon, daß er – sobald man den Irak behandelt haben werde – dahingehend Druck machen werde, daß der Iran an die Spitze der ÂŽTo-doÂŽ-Liste rĂŒcke.“  

[11. September] [Avian bio-wars?] [Krieg wg. Ölbörse?] [Abgrund Irankrise] [Glanz und Wert] ["Saddam" tot] [Armageddon ahoi?] [Klima-MĂ€rchen] [BBC und 9/11] [Erfurt (+5 Jahre)] [Völkerrecht in Georgien] [Was will Erdogan?]