21.10.2011
02:06 MESZ
 

Muammar al-Gaddafi am 20.10.2011 getötet?

Der frühere libysche Machthaber Oberst Gaddafi soll am 20.10.2011 nach Angaben des „Übergangsrates“ auf der „Flucht von Sirte“ getötet worden sein.
Doch das ist alles andere als glaubhaft.

von Dr. Ralph Kutza

Die NATO-Staaten schürten spätestens seit Februar 2011 enorm Unruhen im Inneren Libyens. Finanzielle wie materielle Unterstützung für interne und zunächst verdeckt eingeschleuste, später offen und zunehmend aus dem Ausland eingeflogene „Rebellen“ und Söldner kam aber auch von am Persischen Golf gelegenen reichen, arabischen, knallhart diktatorischen Herrscherhäusern, wie Saudi-Arabien und Katar. Der sog. „Arabische Frühling“ wurde zuerst in Tunesien und Ägypten angestachelt, nicht zufällig wie sich später zeigte, sind diese Länder doch der westliche und östliche Nachbar Libyens, so daß von dort aus die Rebellen leichter als zuvor unterstützt werden konnten. Zwar hat sich in Tunesien und Ägypten trotz dieser seltsamen, aber vergleichsweise friedlich gebliebenen „Revolutionen“ nichts Nennenswertes im frustrierend-ernüchternden Lebensalltag für die riesige Mehrheit ihrer Bevölkerungen geändert. Aber wegen dieser beiden Vorläufer-Aufstände konnte im Rest der Welt der gewünschte Eindruck erweckt werden, es sei nur natürlich, wenn und daß sich auch in Libyen „das Volk“ erhebe. Der Erfolg dieser Manipulation ist auf den ersten Blick so nachvollziehbar wie er auf den zweiten ein grandioser inhaltlicher Trugschluß ist. Libyen hatte in der Gesamtbetrachtung den höchsten Lebensstandard und das höchste und dabei ausgeglichenste Sozialniveau des afrikanischen Kontinents. Libysche Frauen hatten wesentlich mehr Rechte als die in allen anderen arabischen Staaten. Kein anderes Land hatte im Norden Afrikas eine so glaubwürdig anti-koloniale Lebenswirklichkeit aufrechterhalten können wie Libyen. Nirgends sonst gab es so am Gemeinwohl orientierte Großprojekte wie das Man-Made-River-Project, großzügige Zugaben für Jungvermählte, zinslose Kredite für Immobilienkäufe, von der kostenlosen und qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung und Bildungsinfrastruktur ganz zu Schweigen.

Daß also die riesige Mehrheit der Libyer gegen die bisherigen gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen mit von vornherein allerhöchster Gewaltbereitschaft aufbegehren sollte, ist blanker Unsinn und eine unverschämte Zumutung an das eigenständige, objektive Denken. Kurzum: Es war und ist nicht wahr.

Davon zeugten auch Demonstrationen von weit über einer Million Menschen in Tripolis, die mit einem Meer an grünen Fahnen gegen die NATO und für die libysche Jamahiriya demonstrierten.

Davon wurde natürlich in westlichen Medien nicht das geringste verlautbart.

Paßte es doch nicht in die westliche Propaganda vom „verhaßten Diktator“. So wenig wie seine weit überdurchschnittliche Beliebtheit unter einer Vielzahl afrikanischer Staats- und Clanchefs. Nicht von ungefähr wurde ihm erst vor wenigen Jahren der ehrenbezeugende Titel „König der Könige“ (Afrikas) verliehen.

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Vor dem Kriegsbeginn der NATO am 19.03.2001 kam die infame UN-Resolution 1973, die eine Flugverbotszone zum Schutz von libyschen Zivilisten vortäuschte. Vor dieser wiederum gab es die dumm- dreiste Behauptung, Gaddafi würde insbesondere ost-libysche Städte von seiner Luftwaffe bombardieren lassen und in Tripolis friedliche Demonstranten mörderisch nieder- schießen lassen. All dies sind längst als Lügen entlarvte kriegstreiberische Propagandabehauptungen gewesen. Der UN-Resolution folgten zeitlich zehntausende NATO-Militärflugzeug- einsätze und ein brutales, blutig- mörderisches Zurückbomben eines Landes mit in seinen Städten hervorragender Infrastruktur um mehrere Jahrzehnte.

Nach dem Kriegsbeginn gingen selbstverständlich die Lügen unge- niert und ungebremst weiter:

Zunächst hatte es noch geheißen, Gaddafi wäre eilig nach Venezuela oder in ein Nachbarland wie Algerien geflohen, was natürlich unwahr war.

 

Als der Krieg für die NATO und ihre Rebellen alles andere als gut verlief, zielte man als Propagandazielgruppe mehr auf die Frauen im Westen ab: Gaddafi sollte massenhaft Viagra an seine Truppen verteilt haben, damit diese besser Frauen und Töchter von Rebellen vergewaltigen könnten. Das war nicht nur ein unvorstellbar absurder Vorwurf, und schon wegen der vielen Frauen in den bewaffneten libyschen Verbänden völlig unsinnig. Zudem waren die Rebellen wie gesagt zu einem erheblichen Teil aus dem Ausland eingeflogene kampferprobte radikale Islamisten, die die USA zuvor u.a. in Afghanistan, in Bosnien und im Kosovo eingesetzt hatten - manche sagen auch „al-Qaida“ dazu (eine Wortwahl, die eine Erfindung der USA ist), manche natürlich auch nützliche Söldner-Idioten, ohne daß das eine das andere unwahr machen oder ausschließen würde. Und solche landesfremden Rebellen hatten weder Frauen noch Töchter in Libyen.

Legendär war dann in der zweiten Augusthälfte die Lüge des Übergangsrates, Saif (al-Islam al-) Gaddafi sowie ein anderer Gaddafi-Sohn seien verhaftet worden. Bei ersterem bestätigte gar offiziell ein westliches Machtausübungsinstrument in Form eines internationalen Strafgerichtshofes die kolportierte Festnahme. Peinlicher ging es nicht, als wenige Stunden später mitten in der Nacht zum 23. August 2011 Saif Gaddafi vor dem Rixos-Hotel im Zentrum Tripolis auftrat, noch dazu inSaif al-Islam al-Gaddafi vor dem Rixos-Hotel authentisch wirkender triumphaler Pose, und die dort untergebrachten westlichen Journalisten zu einem Trip durch Tripolis einlud, an all jene Stellen, von denen der Übergangsrat behauptete, er habe sie erobert. Nun, das war zu just jenem Zeitpunkt in der Tat weitgehend eine von den Rebellen erlogene Behauptung. Dennoch begann unmittelbar darauf eine Zeit, in der die NATO und ihre Rebellen zu einer extrem blutrünstigen Stürmung auf die Hauptstadt ansetzten. Zu Saifs Bruder hieß es dann nur noch knapp, auch dieser sei irgendwie freigekommen oder befreit worden. Westliche Medien stellten absehbarerweise dennoch nicht das charakteristisch verlogene Geschwätz des Übergangrates in Frage, arbeitete man doch Hand in Hand, und war der Übergangsrat doch von Geburt an lediglich ein willfähriges Instrument des zionistischen Westens.

So verwundert es auch nicht, daß man die massenhaften, extrem rassistischen und bestialischen Verbrechen der Rebellen an schwarzen Libyern, denen man groteskerweise (weil in völliger Verkeh- rung der Realität und des Geschehens) unterstellte, sie seien alle angeheuerte Gaddafi-Söldner, weitestgehend unter den Teppich kehrte. Die vielen Enthauptungen, vorgenommen an unmenschlich zusammengetriebenen und von den Rebellen zuvor brutal gefolterten Schwarzen, blieben dem durchschnittlichen Westmedienkonsumenten völlig unbekannt. Auch der iranische Sender PressTV schlug sich von Anfang an übel propagandistisch auf die Seite der islamistischen Gewalttäter. Politik pervers. Denn im Oktober nun wird nicht mehr nur kriegsvorbereitend von den zahlreichen westlichen Falken gegen Syrien als nächstes Angriffsziel gehetzt, sondern – wenig überraschend natürlich – seit kurzem auch gegen Israels Hauptfeind, den Iran, und zwar mit haarsträubend inszenierten Anschlagsplanungs-Behauptungen.

Doch zurück zu Libyen und gefälschten Erfolgsmeldungen der Rebellen mit grenzen- und bedenkenloser Unterstützung der Westmedien.

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Bezeichnend waren dann auch die längst als Fake erwiesenen Jubelfeiern von Massen an Rebellen auf dem Grünen Platz in Tripolis. Dieser war allerdings nur ein Nachbau – zwar relativ gut gemacht, aber doch erkennbar – in Doha/Katar gewesen, und so wurde naheliegenderweise zuerst auch vom dort beheimateten Propaganda-Sprachrohr al-Dschasira verkündet und gesendet. Natürlich wurde dies von den westlichen TV-Sendern und Print-Medien unhinterfragt übernommen. Wenige Tage später bereits prahlte damals der Übergangsrat mit diesem dreisten Fake, der doch legitim gewesen sei, hätte er doch „erfolgreich“ den militärischen Gegner irritiert, die Muammar al-Gaddafi geradezu verehrende große Mehrheit der Bevölkerung verwirrt und eingeschüchtert sowie umgehend die stark beschleunigte diplomatische Anerkennung des Übergangsrates durch zahlreiche Staaten zur Folge gehabt.

Tja, übrigens: Wo Palästinenser seit mehr als sechs Jahrzehnten keine staatliche UNO-Anerkennung erhalten, wird dies bei dahergelaufenen Rebellen mit den „richtigen Freunden“ noch mitten in einem Krieg - egal ob man ihn nun Bürgerkrieg oder aber Guerilla-Krieg gegen die NATO und ihre Helfer von innerhalb wie außerhalb Libyens nennt - handstreichartig vollzogen. Die UNO hat in diesem Jahr endgültig ihre Glaubwürdigkeit ruiniert.

Vor allem bei den beiden Städten Bani Walid und Sirte rannten die „Rebellen“, al-Qaida-Söldner und NATO-Elitetruppen ein ums andere Mal vergeblich an. Die regulären libyschen Truppen und Milizen, von der westlichen Propaganda als „Gaddafi-Getreue“ bagatellisiert und verächtlich gemacht, bereiteten ihnen riesige Verluste. Das war insbesondere für die selbstherrliche Nord-Atlantische Terror-Organisation ein enormer Schock. Längst hatte man sich höchstwahrscheinlich schon Syrien militärisch vornehmen wollen, und war nun schon weit über ein halbes Jahr auf erbitterten und stetig zunehmenden Widerstand von weit über 90% der originären Einwohner Libyens gestoßen.

Mitten im vorgeblich eroberten Tripolis wurden z.B. gewaltige NATO-Munitionsdepots gesprengt.

Trainierte und von Tag zu Tag motiviertere libysche Scharfschützen töteten an allen Fronten in Libyen – egal ob Tripolis, Sirte, Bani Walid oder andernorts - reihenweise primitiv anstürmende Rebellen, aber auch ihre Kommandeure. Auch NATO-Spezialeinheiten (oder muss es nicht konsequenterweise heißen Obama-Getreue, Sarkozy-Getreue und Cameron-Getreue?) mußten erhebliche Verluste hinnehmen.

Sirte - was uebrig bliebDie Bombardierungen der NATO aus der Luft und Beschuß mit schwerem Geschütz seitens der Rebellen erfolgten daher zunehmend wütend und ohnehin weiterhin tagtäglich. Das forderte einen atemberaubend hohen Blutzoll unter der libyschen Zivilbevölkerung. Aber nicht daß dies die Folge gehabt hätte, daß etwa die deutsche Friedensbewegung aus ihrem Dämmerschlaf gerissen worden wäre...

Russische Medien berichteten währenddessen stolz, und zwar weil er an einer renommierten russischen Militärakademie ausgebildet worden war, über die grandiosen militärischen Erfolge von General Khamis Gaddafi (eines weiteren Sohns Muammar al-Gaddafis) und der von ihm befehligten libyschen Eliteverbände. Sie verglichen ihn mit Marschall Schukow, dem legendären sowjetischen Militärführer des Zweiten Weltkriegs; und eine größere militärische Respektsbekundung aus traditionsbewußtem russischen Munde ist wohl kaum vorstellbar.

Obwohl also die Rebellentruppen vor und in Bani Walid sowie Sirte in den letzten Wochen riesige Verluste zu gewärtigen hatten und es zudem auch noch zu zunehmenden zerfleischenden Machtkämpfen der „neuen Herrscher“ untereinander kam, soll aktuell urplötzlich binnen weniger Tage zuerst Bani Walid vollständig eingenommen worden sein, dann auch Sirte, und der böse Tyrann soll dabei auch gleich noch erlegt worden sein. Es gibt allerdings und entlarvenderweise mindestens drei Versionen, wie Muammar al-Gaddafi gestorben sein soll. Alle werden sie von den Rebellen kolportiert, nicht etwa primär von der NATO. Diese taktierende, um nicht zu sagen feige versteckende Vorgehensweise des Westens (falls es als Lüge offenkundig würde) kennt man noch von der einstigen vorgeblichen Verhaftung Saddam Husseins. Eines der gezeigten bizarren Gaddafi-Bilder erinnerte prompt sehr an die Struwwelbart-Bilder, die einen vorgeblich aus einem Erdloch gezogenen Saddam Hussein zeigen sollten. Und eine der nun vernehmbaren Geschichten zum vorgeblichen Ableben Gaddafis greift doch tatsächlich das Wort „Erdloch“ (bzw. Abwasserröhre) auf. Ebenfalls wie bei Saddam soll binnen weniger Stunden ein Genbeweis für die Identität des getöteten „Diktators“ angetreten worden sein, eine wissenschaftliche Unmöglichkeit, zumal mitten in einem Kriegsgebiet mit weitgehend zerstörter medizinisch-kriminologischer Infrastruktur.

GOLDEN PISTOL(“Beweise” a là al-Dschasira: golden pistol close
Bild links - Am 20.10.2011 ausgestrahlt
- Rebell mit der Trophäe einer goldenen Pistole, die Muammar al-Gaddafi zugeschrieben wird, gleich nach dessen “Ergreifung”. Bild rechts: Rebell mit der “gleichen” Waffe als  “Beweismittel”, aber vom 27.08.2011 aus Bab al Azizia/Tripolis)

 

In den letzten Monaten haben also Übergangsrat, al-Dschasira, PressTV und vor allem sämtliche westlichen Mainstreammedien ein ums andere Mal gelogen (erinnert sich noch jemand an die dümmliche Behauptung von Ende September, man habe den vorgeblich in Frauenkleidern aus Sirte fliehen wollenden Gaddafi-Sprecher Mussa Ibrahim ergriffen?) und Horrormärchen erzählt, daß sich die Balken bogen.

Soll dennoch ausgerechnet zum ersten Mal eine der Meldungen des Übergangsrates von inhaltlicher Tragweite und Bedeutung eine wahre sein? Und ausgerechnet jene Meldung mit der bislang mit Abstand allergrößten Bedeutung?

Das unhinterfragt zu glauben, zeugt von inakzeptabler Ignoranz und Unmündigkeit.

Was ist eigentlich viel wahrscheinlicherer Hintergrund dieser sich überschlagenden Kolportationen?

Nun, die NATO will aus diesem für sie desaströsen Schlamassel, das sie grob fahrlässig unterschätzend selbst verschuldete und wollte, schnellstmöglich hinaus. Etliche NATO-Offiziere wollen nicht eines Tages vor einem wahrhaftigen Kriegsverbrechertribunal enden, wie es durchaus absehbar ist, insbesondere wenn der längst unverkennbare wirtschaftliche und finanzielle Kollaps der USA wie auch der NATO-Staaten allgemein noch weiter fortgeschritten sein wird. Zunehmend mehr Kampfpiloten verweigerten in jüngster Zeit auch den Abwurf ihrer Bombenlast auf Zivilistenstädte, die ohnehin schon viel eher zerbombten und zerschossenen Trümmerhaufen denn Städten glichen.

nato_vs_gaddafiDie NATO-Verluste binnen weniger Monate waren bereits deutlich höher als im Irak und in Afghanistan nach Jahren

Zugeben werden die zuständigen Militärführer und Politiker das jahrelang absehbarerweise nicht. Man wird auf angebliche Manöverunfälle verweisen, oder man verlegt flugs sogar die denn doch indirekt eingeräumten Todesfälle in der Kommunikation gegenüber der Öffentlich- keit und den Angehörigen noch räumlich möglichst weit weg, z.B. in den Irak oder nach Afghanistan.

Hier also nun die alternative Deutung des medialen Tremolos:

Man bot wohl Muammar al-Gaddafi und Teilen seiner engsten Familienangehörigen diesen für beide Seiten interessanten Deal an:

Laß´ unsere Rebellen kurzzeitig ins Zentrum von Bani Walid und Sirte einmarschieren, nur für ein paar halbwegs zivilisierte Fotosessions, die wir anschließend über unsere Medien um die Welt jagen können. Laß´ uns desweiteren behaupten, Du seiest gefallen. Du erklärst Dich währenddessen zu einem anonymen, geheimen und dauerhaften Asyl im Ausland (Algerien) bereit.

Im Gegenzug sind wir bereit, am Tag nach dem „Fall“ von Sirte und „Deinem Tod“ oder jedenfalls sehr sehr bald danach den NATO-Einsatz für vollständig beendet zu erklären. Wir sagen Dir zu, keine Bombardements mehr durchzuführen und unsere NATO-Verbände vollständig zurückzuziehen.

Andernfalls (wenn Du nicht einwilligst) würden wir thermobarische, Phospor- und Milzbrandbomben auf Bani Walid und Sirte schmeißen. Wir würden das Land gänzlich mit unserem nuklearen Abfall, euphemistisch als abgereichertes Uran verbrämt, zupflastern. Geburten von Libyern ohne genetische schwerste Schädigungen wären dann, wie Du weißt, für alle Zeit ein höchst seltener Glücksfall. Bei den verdeckt von uns eingesetzten Biowaffen würden wir Dir, werter Muammar, einfach unterstellen, versehentlich seien unterirdische Bestände biologischer Waffen, die Du vorgeblich einst einlagern ließest, von uns oder den Rebellen getroffen worden, und hätten leider leider eine unvorstellbare Tragödie unter der Zivilbevölkerung dieser einst blühenden Städte verursacht.

Bis zu zwei Deiner Söhne werden wir ebenfalls als verstorben melden und sie müssen daher bereit sein, auch ins Asyl zu gehen (Motassim und Saif). Ein bekannter Anhänger von Dir hat Deinen Tod öffentlich zu bestätigen. Der Rest Deiner Anhänger darf den zugegebenermaßen hochprofessionell geführten und erfolgreichen Guerilla-Krieg zu Ende bringen. Wir wollen die al-Qaidas nicht zurück, die mußten ohnehin mal entsorgt werden. Sobald Deine Leute gesiegt haben, haben sie aber zumindest zu gewährleisten, daß nicht alle Verträge mit unseren Ölkonzernen bis ans Ende aller Tage aufgehoben sein werden. Wir sind andererseits zu nicht unerheblicher technischer und technologischer Wiederaufbauhilfe bereit, als Anerkennung Eures Mutes und erfolgreichen Widerstands.

Du und Deine Familie werdet natürlich über Deinen Asyl-Aufenthalt dauerhaft schweigen. Sonst platzt unser gemeinsamer Deal und wir werden dies umgehend zum Vorwand nehmen, das asylgebende Land (Algerien) sofort anzugreifen, weil wir von den Rebellen getäuscht und belogen worden wären. Dies sichert uns auch zu, daß dieses Land sich ebenfalls an den Deal hält.

Das klingt Ihnen zu weit hergeholt?

Nun, bisher hatten sämtliche Quellen vermutet, Muammar al-Gaddafi halte sich in den Weiten des Südwestens Libyens auf, beschützt von den Tuareg. Das war höchst plausibel, ein Aufenthalt in Sirte hingegen wäre dies überhaupt nicht gewesen.

Und immerhin schlagzeilte z.B. die österreichische Wienerzeitung noch gleichentags:

„Ende des NATO-Einsatzes steht bevor“.

Die NATO hat es auffällig eilig, das Weite zu suchen. Es gibt dort nichts zu gewinnen außer Verdammnis, sinnlosen Tod und den eigenen Untergang.

An dem skizzierten Deal könnte hingegen beiden Seiten zur Gesichtswahrung und im jeweiligen ureigensten nationalen Interesse nur gelegen sein.