Von Lüge und Wahrheit im medialen Dschungel der kolportierten Festnahme Saddam Husseins


von Dr. Ralph Kutza - 23.12.2003 (ergänzt 30.12.03)
 

Am 14.12.2003 brodelte ab ca. 10 Uhr Weltzeit die Gerüchteküche. Man habe vermutlich Saddam Hussein gefasst, endlich, acht Monate nach dem “Fall” Bagdads. Entsprechende Andeutungen gebe es seitens des irakischen Kurdenführers Dschalal Talabani, und auch die iranische Nachrichtenagentur IRNA habe dies bereits vermeldet. Zudem sei für den frühen Nachmittag vom US-Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer, eine wichtige Pressekonferenz anberaumt worden. Noch bevor diese begann, sagte dann schon der britische Premier Blair, man habe Saddam Hussein in Gewahrsam. Diese kaum zufälligen vorab kursierenden Gerüchte sorgten erfolgreich dafür, dass weltweit Medienvertreter, allen voran ungezählte Fernsehstationen, sich live auf diese Pressekonferenz aufschalteten. So sahen hunderte Millionen Menschen weltweit - wie gewünscht und ohne echte Chance, etwaige zugrundeliegende Manipulationen umgehend durchschauen zu können -  eine unglaubliche Propagandashow, die Paul Bremer mit seinen bereits zu besonderer  “Berühmtheit” gelangten Worten begann: “Ladies and gentlemen, we got him!” - “Meine Damen und Herren, wir haben ihn!”

Einige anwesende irakische “Journalisten” brachen sogleich in “spontanen” Jubel aus, der von Herzen zu kommen schien, die Zuschauer in aller Welt noch ein Stück weit mehr beeindruckte und ein skeptisches Nachfragen bei vielen gar nicht erst aufkommen ließ. Iraker müssen doch schließlich wissen, wie ihr früherer jahrzehntelanger Herrscher aussieht.

Doch den Höhepunkt dieser Pressekonferenz bildeten nach einigen weiteren Worten Bilder, die der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General Ricardo Sanchez, präsentierte. Bilder eines verwahrlost, wie ein Penner wirkenden Mannes mit zerzaustem Haar und langem, struppigem, schwarz-weiß-grauem Rauschebart. Diesmal brachen - die sensationelle Nachricht akustisch noch deutlicher untermalend und damit psychologisch um so mehr Nachdruck erzeugend - im Pressekonferenzsaal anwesende irakische “Journalisten” in frenetischen Jubel und in Flüche gegen Saddam Hussein aus. Jeder Zweifel war also fehl am Platze, schließlich erkannte ihn doch sein eigenes “Volk”.

Besonders die Art und Weise, wie der ehemalige irakische Machthaber präsentiert wurde, ist jedoch ein verdächtiges Stück aus der propagandistischen Trickkiste. Die Darstellung trieft nur so vor starken Symbolen: Der “Feigling Saddam”, der sich in ein dreckiges Erdloch verkriecht, die edlen US-Helden, die ihn nach oben ins Scheinwerfer- und Taschenlampen-Licht befördern. Ein ums Leben fast flehender, weder kämpfender noch sich selbst richtender Saddam Hussein auf der einen Seite, auf der anderen ihn umsichtig in Gewahrsam nehmende und dabei nicht versehentlich oder aus Rache tötende US-Soldaten, die ihm schlagfertig “Schöne Grüße von Präsident Bush” ausrichten. Ein “Saddam Hussein” der artig den Mund öffnet und seine wirren Haare mutmaßlich nach Läusen absuchen lässt von einem kahlköpfigen, bebrillten, nur von hinten zu sehenden amerikanischen Militär-Arzt, der ihm in die dunkle Mundhöhle leuchtet und mit einem Spachtel Abstriche macht.

Ein Ablauf also, wie er kaum (noch) “besser” hätte inszeniert werden können, um maximale Wirkung zu erreichen. Dazu gehört die beabsichtigte Zerstörung des “Mythos” des mutigen Helden Saddam bei den arabischen Massen, die Hoffnung auf signifikante Entmutigung des irakischen Widerstands sowie die Umkehrung der in den Wochen zuvor rapide sinkenden Zustimmungsraten für George W. Bush.

Doch wie glaubwürdig ist der Inhalt, der vor, während, und nach dieser Pressekonferenz in Bagdad kommuniziert wurde?

Nun, um es kurz zu machen: Er ist höchst unglaubwürdig. Nachfolgend wird erläutert, wieso dieser Schluss sich aufdrängen muss.
 


 

Der fehlende daktyloskopische Beweis für die Identität Saddam Husseins
 

Der naheliegendste Beweis, nämlich eine Identitätsfeststellung per Fingerabdruck, wurde bislang nicht von den US-Behörden bzw. -Militärs erbracht. Dabei ist die Daktyloskopie ein altbewährtes kriminologisches Verfahren, mit dem sich in absolut verlässlicher Weise sehr viel leichter Identitäten  verifizieren lassen als etwa mit DNA-Analysen. Letztere bezeichnet man in Anlehnung an das ältere und bei vorhandener Spuren-/Datenlage zu bevorzugende Verfahren nicht ohne Grund als “genetischen Fingerabdruck”, was gewissermaßen dem klassischen Verfahren Respekt zollt. Bei der Daktyloskopie ist es nötig, dass den Ermittlern ein Papillarmuster eines oder mehrerer Finger desjenigen Menschen, dessen unklare Identität zu belegen ist, vorliegt. Wenn man weiß, wie die Fingerabdrücke eines Menschen aussehen, so kann man sehr leicht feststellen, ob eine Person, die man in Gewahrsam hat und deren Finger noch in unentstellter Form vorhanden sind, dieser Mensch ist. Nun hat man seit dem 14.12.03 von den US-Behörden bzw. -Militärs jedoch keinerlei Hinweis darauf erhalten, dass die Hände bzw. Finger des der Weltöffentlichkeit präsentierten “Gefangenen” verstümmelt gewesen wären.

Weiß man, wie die Fingerabdrücke des echten, authentischen Saddam Hussein aussehen?

Ganz klar: JA!

Nicht nur Joe Vialls weist darauf hin, doch ist er seit der mit viel Brimborium erfolgten Vermeldung der Gefangennahme von “Saddam” der erste, der dies so klar benennt und als wichtiges Argument verwendet. Doch wo befinden sich diese Fingerabdrücke Saddam Husseins? Dazu erläutert Vialls: perfect copies of the Iraqi Leader’s thumb prints are scattered liberally across  Baghdad, and are also held in the safes of one German and two British companies, including the Morris Singer Foundry. During 1986 Morris Singer was part of a  German-led consortium, which cast the bronze arms for Saddam Hussein's enormous  Hands of Victory Arch in Baghdad.

Doch ist dieser Hinweis auf gleich mehrere perfekte und über Bagdad verstreute Kopien der Daumenabdrücke des früheren irakischen Machthabers denn überhaupt glaubhaft?

Erneut lautet die Antwort: JA! 

Schließlich liegen darüber zeitlich frühere Berichte aus anerkannten, seriösen Quellen vor.

 

Der Siegesbogen in Bagdad

Joe Vialls schreibt, dass das berühmte Bagdader Denkmal (der “Siegesbogen” zum Irakisch-Iranischen Krieg vom 22.09.1980 bis 08.08.1988; “qaus al nasr”) der zwei riesigen Schwerter, die sich kreuzen und von entsprechend großen Fäusten gehalten werden, perfekte Daumenabdrücke Saddam Husseins enthält.

http://homepage.ntlworld.com/steveseymour/joeviallscouk/subliminalsuggestion/Suicide2.gif
victory arch baghdad


Doch erfindet Vialls das womöglich nur?

Nein, keineswegs!

Denn die Australian Broadcasting Corporation (ABC) hatte am 12.08.2003 ein Interview über Fingerabdrücke mit dem Spezialisten Snr. Sgt. Dean Greenlees, SAPOL Fingerprint Bureau, geführt (South Australian Police; Südaustralische Polizei). Zwar hat ABC den Original-Artikel inzwischen vom Netz genommen, doch fand sich noch eine Kopie im Google-Cache davon:


Hier noch ein anderer Artikel - aus der Fachzeitschrift “Fingerprint World” vom April 1994 -, der die Existenz und langjährige Expertise von Dean Greenless belegt: “Age Determination - Case Report”.


Seitens der von Vialls erwähnten Morris Singer Gießerei heißt es, man habe seit 1986 Saddam Husseins Daumen- abdruck (aufgrund der exakten Gestaltung des Denkmals) im Safe, worüber auch Premier Tony Blair durchaus informiert worden sei. Aufgegriffen hätten den Sachverhalt seitens der Presse am 30.07.03 der Sydney Morning Herald (die Vorstandsvorsitzende von Morris Singer, Sharon Pink, äußerte gegenüber dem SMH, wenn die Behörden weiterhin kein Interesse an dem Daumenabdruck zeigten - obwohl Blair sogar ein persönliches Dankes- schreiben geschickt hatte - wäre sie auch froh darüber, ihn für eine Million Dollar bei e-bay zu versteigern) sowie die Peterborough Kolumne der Daily Mail und ABC News (04.08.2003).

abcnews thumbs up

 

Klicken Sie hier, um das obige ABC-Bild größer zu erhalten.

Der britische Telegraph griff in dem Artikel “UK firm may have a hand in Saddam's fall” die Morris-Singer-Sensation am 04.08.2003 ebenfalls auf. Er gab außerdem bekannt, das Außenministerium würde Kopien dieser Abdrücke zu anderen forensischen Beweismitteln (wie DNA-Proben) hinzufügen. Doch wieso nur hat man dann seit dem Tag der angeblichen Festnahme absolut nichts von diesem wichtigen Identifizierungsbeweismittel gehört?

Und zuvor schon hieß es im gleichen Artikel: “Now the plasticine impressions used to make the casts, held in the company's safe, are to be forwarded to British diplomats in Iraq to help coalition forces pick out the former dictator from his hundreds of lookalikes.

http://www.telegraph.co.uk/news/graphics/2003/08/04/nirq04.jpeg
saddam daumen

  ”A cast of Saddam's thumbprint ensured that the
hands on the triumphal arch were an exact likeness”

 

Und GlobalSecurity.Org (Erläuterung ihrer “Mission” weiter unten) äußerte sich wie folgt zu dem Monument:


 

Die Umm al-Ma’arik-Moschee

Doch es gibt laut Joe Vialls Fingerabdrücke unter anderem auch andernorts, z.B. in der Anlage der Moschee Umm al-Ma’arik (“Mutter aller Schlachten”). Auf einem Sockel auf einer Insel in dem Wassergraben vor der Moschee ist ein Mosaik eingelassen, das exakt Saddam Husseins Daumenabdruck darstellt und aus der Vogelperspektive am besten erkennbar ist.

http://homepage.ntlworld.com/steveseymour/joeviallscouk/subliminalsuggestion/Suicide6.gif

umm al-maarik-mosque


Auch hier gibt es weitere Quellen, die Joe Vialls´ Darstellung klar untermauern.

Die us-amerikanische GlobalSecurity.Org (“Mission: GlobalSecurity.org is focused on innovative approaches to the emerging security  challenges of the new millennium. The organization seeks to reduce reliance on nuclear weapons and the risk of their use -- both by existing nuclear weapons states and those states seeking to acquire such capabilities. GlobalSecurity.org aims to shift American conventional military forces towards new capabilities aligned with the post-Cold War security environment, and to reduce the worldwide incidence of deadly conflict. The organization is working to improve the capabilities of the American intelligence community to respond to new and emerging threats, reducing the need to resort to the use of force, while enhancing the effectiveness of military forces when needed. GlobalSecurity.org also supports new initiatives utilizing space technology to enhance  international peace and security.”) hatte ebenfalls über diese im April 2001 fertiggestellte Moschee und den dort befindlichen Daumenabdruck Saddam Husseins in Form eines 24 Fuß (ca. 8 Meter) breiten Mosaiks berichtet:

“As of late 2002, three mosques were being built by Saddam in Baghdad. The first one, the Umm al-Ma'arik mosque -- translated as the Mother of All Battles mosque -- was completed in April 2001 in time for Saddam Hussein's birthday. The blue and white Umm al-Ma'arik mosque's four minarets are each 43 meters tall and meant to represent the 43 days of conflict with US that occured during Desert Storm. Each reportedly eerily looks similar to a Scud missile in shape. Another minaret at the site is also reported to be 37 meters tall to symbolize the 1937 or Saddam's birth-year. The Umm al-Ma'arik mosque also comes com[p]lete with a Arab world-shaped pool ladden with a [a] 24 feet-wide mosaic of Saddam's thumbprint and a glass display of 605 pages of Koran written in a mixture of Saddam's blood, ink and preservatives.”
 

Und auch CBS News berichteten (am 17.01.2003) von dem bei dieser Moschee angebrachten, monumentalen  Daumenabdruck Saddam Husseins:

CBS hat (unter obiger Website) außerdem auch ein Video des Korrespondenten Lee Cowan von 1:53 Min. Dauer über diese Moschee frei ins Internet gestellt (ab 0:43 Minuten sieht man das Monument, das den Daumenabdruck enthält).
 

Der britische Guardian berichtete am 17.05.2002 im Artikel “Mosque that thinks it´s a missile site” ebenfalls über den Daumenabdruck Saddam Husseins bei der Umm al-Ma’arik-Moschee.


 

Die Große Saddam-Moschee

Weitere Moscheen, die sich bei Kriegsausbruch im März 2003 noch im Bau befanden, sollten nach ihrer Fertigstellung ebenfalls den Daumenabdruck Saddam Husseins enthalten.

So die Saddam-Mosche, die die größte Moschee weltweit werden sollte. Über dieses Bauvorhaben, mit dem Hussein den französischen Architekten Jacques Barriere beauftragt hatte, schrieb die Sunday Times am 01.10.2000, wobei sie den französischen Journalisten und Dokumentarfilmer Joel Soler zu Wort kommen lässt.

In one part of the film Saddam is seen seated on a throne built into a sculpture of an eagle the size of a small house. His efforts to immortalise his memory also include plans to build the world's biggest mosque. A French architect has been commissioned to design the structure, which will cover an area near Baghdad the size of 12 football pitches.
It will be surrounded by a moat in which the crowning touch will be an island formed in the shape of Saddam's thumb, with the ground contoured exactly to match the leader's fingerprint. "It is so that when God looks down on this mosque he will see Saddam too," said Soler

 

Hier ein Modell dieser vormals geplanten, weltgrößten (“Saddam”-)Moschee (hier zudem noch ein Satellitenbild des Bauvorhabens vom 05.09.2002):

http://www.iraqifd.org/unclesaddam/GrandMosque.htm
GrandMosque

 

Die Washington Times schrieb am 23.09.2000 (Section: WORLD IRAQ; Page A5) im Artikel “IT'S `UNCLE SADDAM' - FILM SHOWS SURREAL LEADER ATTEMPTING TO MAKE HISTORY das Folgende:

Siehe zu diesem Thema auch ABC News.



Saddam-Doppelgänger


Es wird von Frau Dr. Hakim in obigem Zitat ein wichtiger Aspekt angesprochen, nämlich der der mutmaßlichen Existenz von Doppelgängern von Saddam Hussein. Er soll, so heißt es seit Jahren in der westlichen Presse, sich gleich mehrere “zugelegt” haben, hauptsächlich aus Furcht vor Attentaten, die dadurch unwahrscheinlicher bzw. ggf. den “Falschen” treffen würden. Es ist erstaunlich, wie wenig die Weltpresse diesen Aspekt am und nach dem 14.12.03 aufgriff und thematisierte.

Dabei hatte das ZDF bzw. 3sat bereits am 01.10.2002 wie folgt berichtet:

Der letzte Satz ist nicht unbedeutend. Er besagt nämlich interessanterweise nicht, dass nicht lediglich ein altes Band mit “Original”-Aufnahmen Saddam Husseins zu sehen war. Der oppositionelle, im Iran lebende Arzt Al-Asadi jedenfalls ist überzeugt, dass Hussein im Jahr 1999 an Lymphknotenkrebs verstarb, seither zeige man lediglich drei Doubles. Dies meldete am 26.03.2003 World Net Daily (“Saddam's 'Double' Trouble - Opposition Leader Claims Hussein Died Of Cancer In 1999”) unter Bezugnahme auf den italienischen Corriere della Sera.
 

Die Meldungen zur DNA-Analyse und zur “Saddam”-Gefangennahme


Die Tatsache, dass das Stichwort Fingerabdrücke (Daktyloskopie) in den meinungsbildenden westlichen Medien völlig unerwähnt bleibt, und dass auch kaum die Thematik möglicher Doppelgänger gestreift wird, ist mehr als verdächtig. Dadurch liegt nahe, dass die USA doch nicht Saddam Husseins habhaft sein könnten, oder zumindest nicht lebendig. Zu propagandistischen Zwecken sollte und musste er aber womöglich schlicht als lebendig gefangen (“Wie eine Ratte”) präsentiert werden. “Dieser” der Weltöffentlichkeit präsentierte lebende “Saddam” würde jedoch im Falle einer Überprüfung der Daumenabdrücke durch international bestellte Forensik-Experten - z.B.  aus Russland, Frankreich oder Deutschland - den Eklat mutmaßlich perfekt machen, wenn er sich dadurch womöglich als bloßer Doppelgänger des echten Hussein erweisen würde. Auffällig ist jedenfalls das offenkundige Totschweigen des Themas “Fingerabdrücke”.

Stattdessen lancierte man gleich zu Beginn der Verhaftungsmeldungen in aller Breite Berichte in bekannte Medien, wonach man einen  “genetischen Fingerabdruck”, also eine DNA-Analyse durchgeführt hätte, die zweifelsfrei die Identität “Saddam” bestätigt hätte.

Äußerst auffällig ist dabei allerdings der Zeitpunkt der Meldungen und von wem sie stammten.

Die Gefangennahme soll am 13.12.03 um 20.30 Uhr Ortszeit erfolgt sein. Maximal 14 Stunden später liefen bereits erste Meldungen um die Welt, wie etwas später z.B. diese von dpa um 12.16 Uhr:


Um 12.52 Uhr hatte AP hingegen ergänzend Folgendes über Kanbar, der auch Sprecher von Tschalabi (andere Schreibweise: Chalabi) ist, zu vermelden.


Die Tiroler Landeszeitung wiederum vermeldete um 14.43 Uhr zurückhaltender
:

Die geäußerte Hoffnung auf Nachreichung eines fundierten DNA-Tests wurde enttäuscht, denn bis zum heutigen Tage wurde absolut nichts Detailliertes nachgereicht.

Überhaupt spielten offenkundig einige Vertreter der irakischen Kurden sowie des Irakischen National- kongresses und des irakischen Regierungsrates die eminent wichtige Rolle, im Zweifel unter Bezugnahme auf Paul Bremer diverse Informationen der angeblichen, coup-artigen Gefangennahme “Saddams” schon vor irgendwelchen offiziellen Verlautbarungen von US-Behörden und US-Militärs gegenüber weltbekannten Medien zu verbreiten.


So hatte um 12.05 Uhr AFP vermeldet:

Hier ein weiteres dpa-Beispiel von 12.53 Uhr:

Diese Meldung von einem “künstlichen weißen Bart” ist überaus interessant, wurde sie doch noch viele Stunden lang von Medien wie n-tv in genüsslich verächtlich machendem Stil in die Berichterstattung eingeflochten, bis man sie dann klammheimlich - und ohne eine kritisch hinterfragende Thematisierung daraus abzuleiten - fallenließ, als man endlich merkte, dass der Saddam-Bart seitens des US-Militärs und damit auch der westlichen Medien als echt zu gelten hat.

Es gab tagelang keinerlei offizielle Behauptung us-amerikanischer hochrangiger Personen, wonach eine DNA-Analyse die Identität “Saddams” erwiesen hätte. Dies zu verkünden, überließ man also irakischen ”Freunden”. Als klar war, dass die Medien an diesem Sachverhalt nichts kritisierten oder ernstlich hinterfragten, schien sich dann endlich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld an das heikle Thema heranzuwagen. 

Zuvor schon hatte am Sonntag (14.12.03) die Nachrichtenagentur AP bzw. der Boston Herald einen erstaunlich schnell fertiggestellten Artikel “Apparent DNA identification of Saddam a hurry-up job” zu dem Thema der überraschend schnell vorliegenden angeblichen DNA-Analyse gebracht. Darin lässt man den Experten Robert Shaler zu Wort kommen, der “nicht überrascht” gewesen sei, dass binnen weniger als 24 Stunden eine DNA-basierte Identifikation Saddam Husseins bewerkstelligt worden sei.
Der AP-Artikel fährt damit fort, dass Details über einen DNA-Test bei Saddam nicht ganz klar wären (“Details about a DNA test on Saddam were not entirely clear”).
Und: Ein (namentlich nicht genannter) Offizieller des US-Verteidigungsministeriums sagte, Saddam habe seine Identität bei der Gefangennahme zugegeben, und schlüssigere Tests würden durchgeführt. Eine DNA-Bestätigung werde zeigen, dass der gefangene Mann kein Doppelgänger Saddams sei (“An American Defense Official also said Saddam admitted his identity when captured and that more conclusive  tests were being done. DNA confirmation would show the captured man was not a body double of Saddam”).

Dann äußert sich im Artikel auch noch der Mark Stolorow, Chef von Orchid Cellmark, einer Forensikfirma mit DNA-Labors. Demnach sei eine Analysedauer von etwa einem Monat normal, gegen Extra-Gebühr sei es möglich, dies in 5 Tagen zu bewerkstelligen. Er mutmaßt dann hypothetisch, dass es wahrscheinlich sein könnte, dass unter bestimmten günstigen Bedingungen ein Labor “den Job in unter 24 Stunden” hinbekäme. Er wisse aber nicht, was die zeitliche Untergrenze hierfür sei.

Halten wir fest: Die DNA-Identifikation Saddam Husseins wurde am 14.12.03 ausschließlich von mit den USA verbündeten Irakern als 100% gesichert behauptet. Ein Pentagon-Offizieller kündigte dies hingegen erst für die Zukunft an.




Was sagte Außenminister Powell dazu?

Was könnte ein hochrangiger US-Politiker tun, um nicht später für mögliches Belügen der Weltöffentlichkeit belangt zu werden? Vielleicht kann eine Antwort auf diese “taktlose” Frage US-Außenminister Powell geben, der sich just am 15.12.03 ganz überraschend einer Prostata-Operation unterzog. Erst drei Tage danach, als er sich nicht mehr - wie es seine Position an sich gebietet - zwingend zu der “Saddam”-Verhaftung zu äußern hatte, wurde er aus der Klinik entlassen.

Geäußert hat sich inzwischen allerdings Powells Sprecher Richard Boucher, und zwar zu zweifelnden Äußerungen des Kärtner Landeshauptmanns Jörg Haider.

Kein Satz von Boucher dazu, wer wann mit welchem Verfahren genau diesen DNA-Beweis erbracht haben will. Stattdessen soll interessanterweise ausgerechnet Neil Armstrong bzw. das Thema Mondlandungen als “Beleg” dafür herhalten, dass Zweifel an der Saddam-Identität “ziemlich dumm” seien.


Wie bereits oben kurz erwähnt, dauerte es recht lange (bis zum 17.12.03) bis sich ein Politiker der ersten Reihe herauswagte und etwas zu dem Thema DNA-Analyse sagte, und es war der US-Verteidigungsminister.

Donald Rumsfeld am 17.12.03 laut CNN:

Es bleibt zu konstieren, dass Rumsfeld diese wichtige Äußerung auf sehr schnoddrige und damit die Aussage klar entwertende Art machte: “Ich schätze, Sie würden es einen Beweis nennen - ich denke, es ist wahrscheinlich zu 99-Komma-irgendwas ein positiver Beweis.”



 

Weitere Ungereimtheiten bei der behaupteten Festnahme und der Zeit danach


General Ricardo Sanchez erklärte auf der berühmt gewordenen Pressekonferenz am Nachmittag des 14.12.03 in Badgad, “Saddam” habe bei der Gefangennahme keinen Kampf begonnen, sondern sei vielmehr gesprächig und kooperativ gewesen.

Die Tagesschau verwies zusätzlich jedoch auf Folgendes:

Es liegt nahe zu vermuten, dass durch die Behauptung des Brigadegenerals Hertling Saddam Hussein als offenkundiger, verachtungswürdiger Verräter dargestellt werden soll. Wie der aufgrund des ehrlosen Verrats “unter anderem” festgenommene “ranghohe Funktionär” heißen soll, wird auffälligerweise nicht gesagt.

Doch ausgerechnet diese schöne, Hollywood-kompatible “Story” - erzählt immerhin von einem einem hoch- rangigen Offizier und einem ihm untergebenen Soldaten vor laufenden Kameras - gilt, gerade mal eine Woche nachdem sie der staunenden Welt erzählt worden war, schon als sehr fragwürdig.
So schreibt am 21.12.2003 das Time Magazine:


Zudem wird in dem gleichen Time-Artikel plötzlich doch so etwas wie ein “matter Widerstand” Saddam Husseins bei der Gefangennahme eingeräumt. Er soll beim Fesseln durch US-Soldaten auf einen von ihnen gespuckt haben, und sei prompt deswegen von diesem geschlagen worden.

Wieso diese überraschende Wendung des erzählten Plots? Bricht hier ein Kartenhaus aus Lügen zusammen oder ist es der verzweifelte Versuch, durch das tatsächliche oder vermeintliche Einräumen bisheriger Falschdarstellungen wenigstens noch das große, zu vermittelnde Gesamtbild (quasi “Wir haben -  bzw. halten - den wahrhaftigen Saddam bei lebendigem Leibe gefangen”) zu retten?


Die angebliche “Identifizierung Saddams” durch Tarik Asis und Hamid Mahmoud

Die US-Offiziere, die die Version der übermittelten “Grüße” von Präsident Bush kamerareif den Medien präsentiert hatten, waren Kommandeur Brian Reed (laut AFP) sowie Oberst James Hickey, wie u.a. NewsMax darlegt. Im gleichen Artikel wird erwähnt, dass NewsMax-Reporter Stew Stogel aus diplomatischen Quellen in New York erfahren habe, dass Saddam Hussein einer Identifizierung in Form einer altmodischen gegenüberstellenden “polizeilichen” Personenaufreihung unterzogen worden sei. Auf ihn hätten dabei der frühere Vizepremierminister Tarik Asis und sein früherer persönlicher Sekretär Hamid Mahmoud “mit dem Finger gezeigt“. Von einer DNA-Analyse steht in diesem Artikel vom 15.12.03, 08.51 Uhr Ostküstenzeit, hingegen nichts. 

Laut TIME (14.12.03) hat auch der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Senats, Senator Pat Roberts, erzählt, dass die USA frühere Top-Helfer Husseins nach Tikrit verbracht hätten, um “Saddam” zu sehen und zu bestätigen, dass er es sei.

Auch in vereinzelt anderweitig lancierten Medienberichten ohne nachvollziehbare Quellenherkunft muss der seit Monaten in US-Gefangenschaft befindliche Tarik Asis als Identifizierungsquelle herhalten. Nicht gerade glaubwürdiger wird dies allerdings dadurch, dass zugleich gestreut wird, er habe auch schon  Saddams Söhne identifiziert, die am 22.07.03 getötet worden sein sollen.

Dazu muss man wissen, dass laut Joe Vialls (“America's Uday and  Qusay Conjuring Trick - Latest White House lies reveal larger hidden  untruth”) die gezeigten angeblichen Leichenfotos von renommierten internationalen Forensikexperten als Fake-Lachnummer enttarnt worden wären. Z.B. stimmten die Ohrläppchenlängen oder auch die Bartschatten nicht. Diese  Tarik-Asis-”Fährte” zur angeblichen Saddam-Identifizierung ist also auch aus diesem Grund vermutlich bestenfalls dazu geeignet, auf möglicherweise dahinterstehende Faker zurückzufallen. Denkbar, dass sie deshalb nicht mit aller Macht medial breitgetreten wurde. (Auch FREACE.DE legte am 16.08.03 begründet dar, warum an der offiziellen US-Darstellung des Todes der beiden Saddam-Söhne gezweifelt werden könne, u.a. liege für sie keine längst versprochene Veröffentlichung der “DNA-Analyse” vor.)

Dieser Rückschlag in der propagandistischen “Verwertung” von Asis und Mahmoud deutete sich sogar schon am 15.12.03 an. Die Berichterstattung der USA ist dermaßen widersprüchlich bis offenkundig unsinnig, dass  Spin-Doctors der Regierung, willfährige Medienwächter und Geheimdienstler längst nicht mehr alles gut genug im Griff haben, um eine stimmige “Geschichte” zur angeblichen Saddam-Verhaftung zu erzählen, die nicht umgehend - durch das Verlautbarte bedingt - an verschiedenen Stellen Logik- oder Plausibilitäts-Risse bekommt. So machte TIME (mutmaßlich versehentlich) die wohl hilfsweise gedachte  Identifikation “Saddams” durch Asis und Mahmoud umgehend zunichte. Man zitierte just den “Offiziellen” wörtlich, der erste Verhörfragen und -antworten preisgegeben haben soll, als dieser zu den erwarteten Befragungserkenntnissen Stellung nahm:
 

Die beiden hätten also weder “wirklich gesprochen” noch “ernsthaft irgendeine Information geliefert”. Doch sollen genau diese beiden mit dem Finger bei der Identifikationsgegenüberstellung auf Saddam gezeigt  haben. Ein schönes Eigentor, dass da die vereinten Einflüsterer von US-Geheimdiensten und Bush-treuen Medien geschossen haben. Es juckt sie aber vermutlich nicht sonderlich, da es kaum jemand bemerkt haben dürfte, und selbst wenn, es erfahrungsgemäß auch dann nur wenige kümmert, und es somit keine unmittelbaren Folgen - etwa in Form einer aufgrund des Belogenwerdens empörten Bevölkerung - zeitigt.
 


Zum Auffindeort von “Saddam”

Laut dpa (14.12.03; 12.53 Uhr) gab es noch vor der Pressekonferenz Bremers diverse und widersprüchliche Erzählungen zu den näheren örtlichen Umständen der kolportierten Festnahme.


Doch merkwürdigerwise sprachen eben jener Chalabi (Tschalabi) und sein Sprecher Kanbar laut dieser praktisch zeitgleichen AP-Meldung von 12.52 Uhr auch von einem Erdloch, in dass sich Saddam vergraben habe, so dass ihn US-Soldaten hätten freischaufeln müssen:


Doch auch AP hatte kurz zuvor um 12.37 Uhr von einem Kellerraum geschrieben.

Auf die Rolle von Abdel Asis el Hakim bei der vermeintlichen DNA-Identifizierung wurde schon weiter oben eingegangen. Es verblüfft nicht nur in höchstem Maße, dass keine amerikanischen, sondern irakische Repräsentanten, die diese Hightech-Untersuchung im verwüsteten Irak gar nicht selbst hätten durchführen lassen können, diese verkündeten; vielmehr geschah dies zum Teil sogar nicht einmal vom Irak aus, sondern vom fernen Madrid.



 

Die “Besucher” des gefangenen “Saddam” am Sonntagabend (14.12.2003)

SPIEGEL ONLINE berichtete am 16.12.03 darüber folgendermaßen:

Abgesehen davon, dass AFP nur von drei solchen Besuchern sprach: Mit der Meldung über al-Rabai (auch: el Rubaie) hat es durchaus sehr viel mehr auf sich, er soll nämlich gemäß dem AFP-Artikel (15.12.03 um 17.55 Uhr) ebenfalls Saddam Hussein identifiziert haben.


Wie bitte?
Das mit der Identifizierung soll doch angeblich längst schon per “DNA-Analyse” bzw. (hilfsweise) durch Tarik Asis in einer Gegenüberstellung geschehen sein. Wie passt das also zusammen? Richtig: Gar nicht!


Doch am 18.12.03 um 18.04 Uhr vermeldete AFP - einigermaßen überraschend so spät - eine Nachricht über ein neues Foto von “Saddam” und über die
Identifizierungs-”Rolle” auch von INC-Chef Achmed Tschalabi:



AFP hatte am 14.12.03 um 18.08 Uhr dies von Ratsmitglied Patschatschi zu berichten:

“Saddam” soll also bei ein und demselben Treffen mit irakischen Übergangsratsmitgliedern dies alles gewesen sein: schimpfend, wütend, sich verteidigend, deprimiert, erniedrigt, verbergend, erschöpft, müde, widerspenstig statt reuig.
Dazu laut dem US-Oberkommandierenden im Irak, Sanchez, “gesprächig” und “kooperativ”, doch  zugleich laut der TIME-US-Geheimdienstquellen “verschlossen“, “trotzig” und “wenig kooperativ”.


 

 

Die Befragung “Saddams” durch US-Geheimdienstangehörige

Ein weiter oben schon teilweise zitierter AFP-Artikel bot schon am 15.12.03 noch erheblich mehr von Interesse:


Den gleichen Sachverhalt schildert SPIEGEL-ONLINE gleichentags jedoch gänzlich anders:

Zwischen BEHINDERN und NICHT-INS-LAND-LASSEN liegt erstens ein riesiger Unterschied. Zweitens: Warum wird insbesondere in dieser angeblichen Frage in der SPIEGEL-ONLINE-Variante bzw. in der identischen AP-Fassung (15.12.03 um 05.16 Uhr) eine inhaltlich völlig unzutreffende Behauptung aufgestellt, die dann auch noch Saddam nicht etwa umgehend als unsinnig, weil in den Prämissen unzutreffend, zurückgewiesen haben soll, sondern allen Ernstes “brav” beantwortet haben soll. Vor dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs von USA und UK im März 2003 waren monatelang UN-Inspektoren auf der Suche nach Massenvernich- tungswaffen im Irak unterwegs. Sie suchten auch an all jenen Stellen, von denen westliche Geheimdienste behauptet hatten, dort gebe es die Beweise, fanden aber bekanntlich NICHTS dergleichen! Dennoch wurde diese “Frage” in breiten Umlauf im deutschsprachigen Raum gebracht. Sind denn (u.a.) SPIEGEL-Redakteure dermaßen verblendet bzw. “blind”, dass sie nicht einmal mehr solch gravierende Unsinnigkeiten zu erkennen vermögen?


Im Orginal von TIME lautete die betreffende angebliche Frage an “Saddam” allerdings ohnehin völlig anders:

Es war also deutlich weniger scharf lediglich von “Anlagen” die Rede, was die sträflich verfälschende Berichterstattung in Deutschland umso schlimmer erscheinen lässt. Letztlich ist aber auch die TIME-Fassung nicht glaubwürdig, denn Hussein hatte letztlich durchaus eingewilligt gehabt, sogar seine Palast-Anlagen durchsuchen zu lassen; nachdem nämlich die UNO die Resolution 1441 am 07.11.2002 verabschiedet hatte.

Es erscheint zusammenfassend hochgradig absurd, dass man annehmen dürfen soll, nur wenige Stunden nach der angeblichen Saddam-Verhaftung würden bereits wörtliche, glaubhafte Verhör-Zitate in TIME stehen. Sehr viel wahrscheinlicher ist da natürlich, dass diese Sätze schlicht geheimdienstlich für bestimmte (propagandistische) Zwecke lanciert wurden. Was TIME ja insofern sogar zugab, dass man sich dort im Artikel auf ANONYME US-Geheimdienstkreise berief.




Welche Soldaten nahmen “Saddam” gefangen? Und wann?

Laut Time (14.12.03) waren es 600 Soldaten der 4. Infanterie-Division und US-Sondereinheiten.

Doch hatten irakische Quellen zuvor stets davon gesprochen, dass es US-Truppen und kurdische Peschmerga gemeinsam gewesen seien. So zum Beispiel laut dpa (14.12.03 um 12.16 Uhr):

 

Merkwürdig auch, dass laut AP (14.12.03; 11.27 Uhr) dieser Reporter vor Ort so gleich gar nichts von den Aktivitäten der mehrhundertköpfigen Festnahmetruppen mitbekommen hatte:


Doch am 21.12.2003 platze dann eine regelrechte mediale Bombe, die - selbst wenn diese von der Intention her ein gewagter Rettungsversuch zumindest der Behauptung sein sollte, man sei nichtsdestotrotz des “echten” Saddam habhaft - ein enormes Risiko für die ohnehin in den letzten Monaten massiv reduzierte Rest- Glaubwürdigkeit von US-Regierung, US-Militärs und US-Medien darstellt. AFP hatte einen brisanten Artikel der britischen Sunday Times aufgegriffen, wonach Hussein schon länger in irakischer bzw. kurdischer Gefangenschaft gesteckt haben soll, allerdings wurden nur anonym gehaltene Quellen verwendet.


Ähnliches hatte zuvor schon, nämlich am 14.12.03, der israelische Informationsdienst DEBKA veröffentlicht. Aufgrund sieben festgestellter Anomalien sei davon auszugehen, dass “Saddam” sich nicht versteckte, sondern gefangen gehalten worden war - vermutlich von einer loklaen Bande, die sich das Kopfgeld von 25 Millionen Dollar erhoffte. Eine der “Anomalien” sei die von den US-Militärs bis heute nicht näher erläuterte Verhaftung von zwei unidentifizierten Männern gewesen, die “bei Saddam” gewesen sein sollen, sowie die unbenutzten Waffen bei Saddam (zwei AK-47 und eine Pistole). Wie allerdings DEBKA erklärt die Waffen bei “Saddam”? Nun, gar nicht. Dass er sie nicht nutzte, bzw. ob er sie nicht nutzte, obwohl er dies gemäß US-Darstellung womöglich konnte, belässt DEBKA im Unklaren. Ist der Grund dafür vielleicht der, dass man die US-”Eliten” nicht zu sehr der Lüge überführen wollte? Ähnliches gilt für eine weitere Anomalie, die (angebliche) Anwesenheit von 750.000 Dollar Bargeld bei gleichzeitigem Fehlen jeglicher Kommunikationsmittel. Das DEBKA-”Argument”, das Geld sei für die Entführer, die sich 25 Millionen USD erwartet hätten, eine Kleinigkeit gewesen, ist offenkundig unsinnig. Die DEBKA-Version könnte nur dann stimmen, wenn Saddam weder Waffen noch Bargeld bei sich hatte, denn mit beidem hätte er erheblich unbotmäßig umgehen können (Kämpfen, Selbstmord, Zerreißen). Die DEBKA-Leute wissen dies sicherlich, wollen oder dürfen aber offenkundig nicht schreiben, dass dann die offizielle US-Version an sehr entscheidenden Stellen wenig überzeugend, vielmehr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ganz bewusst auf Lug und Trug aufgebaut gewesen wäre.

 


Was auf der Pressekonferenz-Darstellung der Bilder von “Saddam” auffiel
 

Sämtliche Bilder, ob bewegte Videos oder Fotos, wurden auf dramatisch die Höhen- und Breitenverhältnisse verzerrenden Plasmabildschirmen dargeboten. Und dies, obwohl klar war, dass alle Welt zusehen würde. Warum diese Verzerrung? Fürchtete man, dass bei klareren Bildern etwas als unrichtig oder gar unmöglich auffallen hätte können?
Bewegtbilder gab es nur von dem “vollbärtigen Saddam” mit dem “wirren Haupthaar”. Diese Bildsequenz wirkte zudem an mehreren Stellen erheblich ruckartig und abgehackt. So wie es mancher Hobby-Digital-Videofilmer vom Ergebnis des Brennens auf CD / DVD nach Transfer auf eine Computerfestplatte sowie daran anschließend erfolgter Bild-/Schnittbearbeitung her kennt.
Von dem angeblich später rasierten “Saddam” gab es erstens keinerlei Videosequenz zu sehen, und zweitens wurde auf der Pressekonferenz (und Tage danach) nur ein einziges, frontales Bild des “rasierten Saddam” gezeigt. Wieso dieses ungewöhnliche Vorgehen? Für eine halbwegs aussagekräftige, für das Publikum nachvoll- ziehbare “Identifizierung” anhand eines Vergleichs mit Archivbildern hätten “vollbartlose” Videos oder zumindest eine Reihe entsprechender Fotos aus mehreren Perspektiven erheblich mehr Aussagekraft als die lediglich ausgestrahlten Bilder mit dem pennerhaften “Vollbartgesicht”.

Die folgenden Bilder gingen um die Welt. Sie wurden von General Sanchez auf der Pressekonferenz des 14.12.03 gezeigt, allerdings im Gegensatz zu den hier gezeigten Bildern krass in die Breite verzerrt.

saddam seitlich bartsaddam frontal rasiert

 


Ist das aber wirklich auf beiden Fotos aktuell der echte Saddam Hussein?

Warum zeigte Ricardo Sanchez diese Bilder nicht mit gleicher Perspektive? Also, warum insbesondere das obere Bild des  "bärtigen Saddam" nicht auch von annähernd frontal vorne? Für Kriminalisten und Forensiker ist solch eine Darbietung als vermeintliche Evidenz für eine Identifizierung ein schlechter Witz.

Die Gesichtshautfarbe der live auf der Pressekonferenz via Plasmabildschirm gezeigten Vergleichsfotos “rasiert” versus “bärtig” (allerdings nicht mehr in der obigen Bildfassung!) wirkte in bizarrer, fast schon provokativer Weise auffällig  unterschiedlich. Der "bärtige Saddam" wirkte im präsentierten Plasmaschirmbild nämlich fast leichenblaß, der "rasierte" hingegen voll durchblutet mit geradezu leuchtender Röte im Gesicht. Was sollte das?

Vor allem die linke Augenbraue (aus Betrachtersicht also rechts) in den beiden obigen Fotos wirkt erheblich unterschiedlich.
Sie ist beim "rasierten” Saddam nach außen (lateral) hin buschiger als beim “unrasierten”. Vor allem aber tendiert sie nach außen hin (lateral) beim rechten (“rasierten”) Foto nach “oben”, beim linken (“bärtigen”) Foto hingegen eher nach unten, bestenfalls bleibt sie auf gleicher Höhe. Wie aber sollte das binnen kürzester Zeit unter verschärften US-Haftbedingungen zustande gekommen und damit erklärbar sein?

Der Haaransatz in der Stirnmitte wirkt ebenfalls nicht gerade indentisch.

Ob die Ohrläppchen u.a. gleich weit nach unten reichen, ist aufgrund der Perspektivenunterschiede nicht ganz klar feststellbar, aber eher fraglich.

Die nach unten verlaufenden Falten neben der Nase wirken im gezeigten Video extrem tief eingefurcht, viel tiefer als etwa auf üblichen, bekannten Archivaufnahmen Saddams, und auch tiefer als beim obigen Frontalbild des "rasierten Saddam".

 

Auch bei FREACE.DE wurden Zweifel an der Echtheit der Bilder laut und analytische Methoden näher herangezogen, die die deutlichen Zweifel daran alles andere als ausräumten:

hussein1 freaceDiese[s] vom US-Militär veröffentlichte Bild ist nach US-Angaben eine Aufnahme des Gefangenen, nachdem er rasiert wurde.
Das Bild wurde um 10 [G]rad gedreht, um eine möglichst gerade Kopfposition zu erreichen.
Die blauen Balken markieren die Entfernung der Augenbrauenspitze bis zur Nasenspitze im Vergleich zur  Entfernung zum Haaransatz, während die grünen Balken zweifach um sich selbst verlängert die Entfernung Augenwinkel - Nasenspitze markieren.”

 

 

 

 

hussein2 freace

 

 


“Hier wiederum die blauen und grünen Balken in einer Aufnahme, die Saddam Hussein zeigen soll (angesichts
der angeblichen zahlreichen mehr oder weniger ´perfekten´ Doppelgänger ist auch diese Aussage nicht absolut sicher).”


“Während die grünen Balken einen zumindest Ähnlichen Abstand des Augenwinkels zur Nasenspitze zeigen, zeigen die blauen Balken einen auffälligen Unterschied.
Während der blaue Balken vom Haaransatz ausgehend hier nur bis zur Augenbraue reicht, erreicht er im vorangegan- genen Bild das Auge.”     

 

 

hussein3 freace

Auch dieses Bild, eine Aufnahme kurz nach Gefangennahme des Mannes und noch vor der Rasur und weitergehender ´Verschönerung´ verdeutlicht wiederum anhand der farbigen Balken die genannten Abstände.
Während die Aussagekraft der blauen Balken hier sicherlich aufgrund der wirren Haare nur mangelhaft ist, zeigen die grünen Balken einen sehr deutlichen Unterschied zu den vorangegangenen Bildern.”

 

 

 

Sonstige Auffälligkeiten und Ungereimtheiten


Der US-Abgeordnete der Republikaner LaHood machte bereits am 02.12.03 merkwürdige Andeutungen über eine unmittelbar bevorstehende Festnahme Husseins. Auf die journalistische Nachfrage, ob er mehr wisse als die Zeitungsleute, konnte er sich die wohl wahrheitsgemäße Antwort nicht verkneifen: “Yes I do.”
 

“Saddam” soll, wenn er nicht gerade im Erdloch hauste, in einer verdreckten Küche sein Essen zu sich genommen haben. Die US-Macher dieser Story nannten die bekannten westlichen Süßwarenprodukte “Bounty“ und “Mars. Neben der Absicht, die hier sicherlich unterstellt werden darf, den langjährigen erbitterten Gegner Hussein in den Augen der arabisch-islamischen Welt möglichst noch weiter zu erniedrigen, weil er verweichlicht solche “Genußmittel” des Erzfeindes gegessen haben soll, fiel den Geheimdienstlern vielleicht zudem schlicht aus Unwissenheit nichts Passenderes als arabisches Äquivalent ein.


Führende russiche Politiker zweifeln an der “Echtheit” des vorgeführten “Saddam”
:

 

Die Süddeutsche Zeitung (15.12.03 um 17.50 Uhr; Flottau und Leyendecker) erkennt zwar die neuartige und enorme psychologische Dimension der Bilder vom 14.12.2003 bzgl. der Vorführung  des "Saddam". Aber sie kommt nicht darauf bzw. will oder darf sie nicht darauf kommen, dass GENAU DIES ein massives Indiz für üble und zeitlich wie inhaltlich absolut ausgeklügelt fabrizierte PSYCHOLOGISCHE KRIEGSFÜHRUNG ist, die die gesamte, solchermaßen medial "verarztete" bzw. dominierte Menschheit über sich ergehen lassen muss. Die Wirkung der vermeintlichen Bilder von "Saddam" als erbärmlichem Feigling ist - wie man so trefflich sagt - an sich viel zu schön (für G.W. Bush, den US-Dollar und die US-Börsen) um wahr zu sein.

Nun, leider merkte wohl auch die SZ nicht, welch unsäglichen Unsinn die Frage nach dem Nicht-ins-Land-lassen der UN-Inspektoren darstellte. Was mit “Krieg um Frieden” oder “widerstandsloser Überlassung des Landes” gemeint sein soll, bleibt ein Rätsel. Der Artikel beschreibt dennoch die psychologische Wucht des seit dem Mittag des 14.12.03 der Weltgemeinschaft manipulativ Suggerierten recht passend.
Allerdings ist kurioserweise nicht ganz ausgeschlossen, dass tatsächlich zunächst “eigene Leute” den präsentierten “Saddam” fingen, allerdings dann wohl vorwiegend um des Geldes Willen, also aus einem als verwerflich angesehenen Motiv, das sich weit weniger gut propagandistisch ausschlachten ließe.
Auch ist nicht ausgeschlossen, dass der echte Saddam doch längst tot ist, womit wir wieder beim fehlenden Fingerabdruck-Identitätsnachweis wären.

Eine grundsätzlich andere Alternative ist übrigens, dass Hussein gegen Kriegsende ins Ausland - z.B. nach Russland oder Weißrussland - gebracht worden sein könnte. Immerhin war die an sich unverkennbare Diplomaten-Wagenkolonne des russischen Botschafters in Bagdad gegen “Ende” des Krieges im April (vom Boden aus, nicht etwa versehentlich aus der Luft) von US-Special-Forces beschossen worden, was zu Telefonaten zwischen Bush und Putin geführt hatte. Jetzt dürfte - sollte dies zutreffen - aber eine geheimes Asyl gewährende Regierung nichts Konkretes sagen, um sich nicht selbst in ein äußerst schlechtes Licht zu rücken.



Die junge Welt diskutierte am 16.12.03 den Aufenthaltsort und Rechtsstatus (Rüdiger Göbel, “Suche nach Saddam Hussein):

 

SPIEGEL ONLINE titelt am 16.12.03: "US-Demokrat wirft Bush inszenierte  Festnahme vor"


Was? Darüber sind die Republikaner “empört”? Wie reagieren sie dann erst bei diesem Artikel, bei welchem SPIEGEL ONLINE am 17.12.03 über Jörg Haiders Ansichten zur angeblichen Saddam-Verhaftung berichtet?

 

Dass in der Tat ein längst generalstabsmäßig angelegtes “Saddam-wird-verhaftet”-Drehbuch abgespult wurde, wird vereinzelt bereits sehr offen zugegeben:  

Doch abschließend nochmals zu McDermotts Vorwürfen zurück. Auf diese geht auch die junge Welt am 19.12.03 ein (Rainer Rupp, “Datteln lügen nicht”)

 
Nun, das mit der nächstes Jahr zu verkündenden Gefangennahme “Osamas” ist durchaus denkbar. Eine andere spannende zeitliche Koinzidenz ist jedoch auch aufgetreten. Joe Vialls veröffentlichte seinen Fingerabdruck-Artikel am 19./20.12.03. Am 21.12.03 kam der für die Regierung Bush höchst brisante Artikel der Sunday Times. Und ebenfalls am 21.12.03 erhöhte abends Tom Ridge, Homeland Security Chef, die Terrorwarnstufe auf den zweithöchsten Alarm-Level. Die US-Bevölkerung wird insofern durch ihre eigene Regierung und deren Helfer über eine Klaviatur der Ängste terrorisiert. Dass hier ein gewisser Zusammenhang bestehen könnte, ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Wird "Saddams" baldiges "Ableben" medial vorbereitet?
 

Es wird jetzt medial womöglich schon ein rasches  Ableben des gefassten "Saddam Hussein" vorbereitet, siehe BILD Online (am 27.12.03) unter Bezugnahme auf das US-Magazin Globe bzw. ominöse, namentlich nicht genannte “Geheimdienstquellen”:


Zuvor stieß bekanntlich G.W. Bush mit seiner sehr “gewagten” Forderung nach “ultimativer” Bestrafung, sprich Todesstrafe, auf weltweiten Widerstand.

Auch Vertreter des von den USA eingesetzten irakischen Regierungsrates vertraten erstaunlich rasch und recht offen den Wunsch nach Hinrichtung. Die Financial Times Deutschlands zitierte bereits am 16.12.03 zwei von ihnen:

Diese Strafforderung insbesondere von Bush kann als keineswegs überraschend oder unerwartet bezeichnet werden.

Denn könnten es denn die USA wirklich zulassen, dass der (tatsächliche) Saddam Hussein vor einer u.a. daran brennend interessierten internationalen Zuhörerschaft über seine jahrelangen ungezählten engen und für die USA heutzutage hochnotpeinlichen kooperativen Absprachen mit US-Geheimdiensten und -Regierungen auspackt?
Laut einer Meldung der Arab News vom 27.12.03 mit Titel  "Saddam Threatens to Expose US" soll er dies laut einer namentlich nicht genannten hochrangigen europäischen “Quelle” angedroht haben.

Und was, wenn der “echte Saddam” sich gar nicht bzw. nicht lebend in US-Gewahrsam befindet, sondern höchstens ein Double?

Da wäre es doch objektiv in jedem Falle für die US-Regierung nicht gerade unpassend, wenn “Saddam“ durch einen tödlich verlaufenden "überraschenden" Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch einen schnell wachsenden Krebs hinweggerafft und somit dieses “potentiell bedrohliche Problem” hinfällig würde.

Nötigenfalls müsste man jedoch “bis dahin” hochrangige, Hussein von früher her persönlich kennende Vertreter von UNO und/oder Internationalem Kommittee vom Roten Kreuz (IKRK) vertrösten bzw. hinhalten, wenn diese den “Gefangenen” besuchen möchten. Zu diesem Thema berichtete “Der Standard am 30.12.2003:

Zwischenzeitliches “Singen des Gefangenen”?

Die westliche Presse verkündete ab dem 29.12.2003, dass “Saddam“ wichtige Geheimnisse ausgeplaudert habe, so etwa der Berliner Kurier.


Weiterhin soll hier also medial das Bild eines Menschen gezeichnet werden, der schlicht zum Verräter mutiert sein soll, das Ganze wiederum nicht etwa von einem hochrangigen Vertreter der US-Regierung, sondern lediglich von einem Mitglied des Regierungsrats. Doch was von der “Qualität” dieser Staunen verursachenden Behauptung Allauis zu halten ist, geht aus dieser REUTERS-Meldung vom 30.12.2003 (13.38 Uhr) recht klar hervor: