05.11.2006


Glänzende Aussichten?


Vom “ewigen” Kampf zwischen Edelmetallen und Papiergeld

 

Bericht von der “Edelmetall- und Rohstoffmesse 2006” in München

von Dr. Ralph Kutza


Gold und  Silber lieb ich sehr,
tät´s recht gern besitzen !
Doch gibt´s eins, das lieb ich mehr,
scheint mir mehr von Nutzen.
Frohe Laune allezeit
deucht mir´s allerbeste,
drum habt frohe Laune heut´
mit uns, werte Gäste.
(Strophe eines Hochzeitlieds)


Erstaunlich offene und mitunter systemkritische Worte gab es am 3. und 4. November auf der "Edelmetall- und Rohstoffmesse 2006" in München zu hören.

Landesbanker aus Bremen zogen über die atemberaubende Verlogenheit auch vieler deutschen Medien her, oder auch über unverantwortliche Merkelsche Flottenentsendungen in Richtung Libanon, sprachen von Schein- Demokratie in den USA, und davon, daß es hierzulande nicht recht viel anders sei.

Weltweit bekannte Schweizer Finanzprofis wie Dr. Marc Faber lockerten ihre Beiträge sarkastisch auf durch sinngemäße Sprüche wie: "Nein, keine Angst, die von FED-Chef Bernanke angekündigten Helikopter-Flüge, bei denen inflationär Geld abgeworfen werden könnte, wird es so nicht geben. Der Grund? Nun, die Helikopter sind ja inzwischen alle im Irak!" 

Sehr deftig äußerte sich auch Prof. Hans-Jürgen Bocker, der dem jetzigen Geld- und Finanzwesen eine maximale Überlebensdauer bis in die Jahre 2009-2012 zuspricht. Dann werde die von Politik und Medien weitgehend verschwiegene Krise spätestens eskalieren.

Mehr oder weniger rieten alle Redner sehr zu physischem Besitz von Edelmetallen. Silber habe dabei im Vergleich zu Gold sogar die noch besseren Aussichten, explosionsartig zu steigen. Allein schon ein gesundes Schutz- und Werterhaltungsmotiv sei aber für solches Handeln völllig ausreichend. So sei in weiten Teilen der Erde seit Jahrtausenden für eine Unze Silber ein Huhn erhältlich, oder über Jahrhunderte hinweg für eine Unze Gold ein guter Herrenanzug, eine einzigartige und nachhaltige Wertstabilität, die ihresgleichen suche.

Der Zusammenbruch der unvorstellbar großen US-Schuldenblase - wobei der US-Immobilienblasenkollaps derzeit  sogar erst am Beginn stehe - und damit verheerende Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft seien unausweichlich, auch wenn die Weltwirtschaft in den letzten Jahren beinahe überraschend robust gewachsen sei. 

Johann Saiger, ein östereichischer Börsenbriefherausgeber, verwies auf die überaus hohe Korrelation der geglätteten 10-Jahres-Inflationsrate und früheren Indexständen der Rohstoff- und Edelmetallpreise (jeweils Höchststände gab es Anfang 1920, 1950, 1980 - was kommt wohl als nächstes Datum in dieser Reihe?).

Gewarnt wurde davor, daß das Finanzestablishment es gar nicht zulassen könne, daß der Edelmetall-Anstieg linear oder gleichsam einbahnstraßenmäßig verlaufe. Dies hätte einen vorzeitigen System-Kollaps zur Folge, und daß zu viele Menschen erkennen würden, wie sehr sie zeitlebens belogen und betrogen wurden. Daher seien brutale Korrekturen gerade auf diesem Sektor typisch. Erst in den letzten Tagen sei aber eine solche mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit abgeschlossen worden.

Eher gewarnt wurde längerfristig von mehreren der Fachleute auch vor sog. Papier- bzw. Zertifikat-Gold, ETFs, entsprechenden Derivaten, ja mitunter selbst vor Minenaktien, die allesamt leichter manipulierbar seien, politischen und (welt)wirtschaftlichen Risiken oder auch solchen des Mißmanagements unterlägen und eines nicht allzu fernen Krisentages schlicht keinerlei Anspruch auf einen physischen Gegenwert verbriefen könnten.

Mutmaßlich alle Redner sahen den US-Dollar als unweigerlich dem Tode geweiht an, nur wie lange es bis zum mutmaßlich hyperinflationären Ende noch dauere, sei nicht exakt bestimmbar, aber nicht mehr sehr lange. Auch der Euro habe übrigens seit seiner Einführung bereits ein gutes Drittel an Kaufkraft verloren.

Auf diesen Sektoren bekannte Amerikaner nahmen auch kein Blatt vor den Mund. Praktisch alle wichtigen US-Wirtschaftsstatistiken seien grotesk und stets in massiv beschönigender Weise verfälscht oder dreist erlogen. Häufig und systematisch würden sie Monate später in eine realistischere Richtung korrigiert. Ein Redner meinte offen, er betrachte natürlich die US-Regierung als Täter hinter 9/11. Sein Name sei hier nicht genannt, um ihn nicht unnötig nach seiner Rückkehr zu gefährden.  

William Engdahl, Autor des Buchs “Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung“, erläuterte die vor allem gegen Rußland gerichtete, hochgefährliche geopolitische Strategie der USA.

Überhaupt würde - so mehrere Redner - nicht nur an den Edelmetallmärkten enorm manipuliert, um die monströse Krisenrealität zu verkleistern, dies geschehe auch z.B. beim Öl. Vor wenigen Wochen habe aus heiterem Himmel die mit der US-Regierung zunehmend eng verbandelte, sehr mächtige Investmentbank Goldman Sachs ihren international tonangebenden Rohstoffindex geändert. Die Benzinkomponente sei von etwa 8 Prozent Gewichtung auf unter 3 Prozent abgesenkt worden. Schon dieser Schritt habe lawinenartige Verkäufe von sog. Futures-Kontrakten - auch auf Rohöl - in Multi-Milliarden-Dollar-Höhe erzwungen. Der Rohölpreis sank von fast 80 Dollar pro Barrel auf unter 60 Dollar. Mutmaßlicher Zweck der drastischen Vorgehensweise: Die Aussichten der Bush-Partei bei den Kongreßwahlen am 7. November erhöhen. Es gebe auch vielfache Insiderandeutungen, daß nicht nur gesetzeswidrig die strategischen Reserven der USA (über Öl, Benzin und ähnliches), die infolge der letztjährigen Hurrikankatastrophen teilweise aufgelöst worden waren, nicht im erforderlichen Umfang aufgefüllt wurden, sondern daß vielmehr sogar noch von der US Army z.B. Diesel im großen Stil mit natürlich preissenkender Wirkung verkauft worden sein soll.  Der frühere Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs, Paulson, sei im Juli nicht nur Treasury-Chef geworden, sondern auch der der “Working Group on Financial Markets”. Über dieses Faktum, die ominöse Rolle dieser auch Plunge Protection Team genannten grauen Eminenzen, die seither auffällig regelmäßig tagten,  sowie den wundersamen Anstieg des Dow Jones Industrial Index ohne jegliche Korrektur seither berichtete in den letzten zwei Wochen sogar die britische und amerikanische Mainstream-Presse.

Erwähnt wurde auch, daß auf den Silbermärkten die sog. Commercials, das sind Handelsbeteiligte an den Futuresmärkten, die beruflich mit Silber zu tun haben, noch nie, d.h. seit über 20 Jahren nicht, eine sog. Netto-Long-Position eingenommen hätten. Das ist einzigartig und bei keinem anderen Rohstoff (Commodity) je der Fall gewesen. Kann nur so der sofortige extreme Preisanstieg beim Silber - und in der Folge auch beim Gold - verhindert werden? Die Lagerbestände seien in den letzten Jahren jedenfalls dramatisch abgeschmolzen, es werde aber dieses Metall auch künftig in erheblicher Menge industriell ge- bzw. verbraucht. Die exzessive sog. Short-Position bei den Silber-Futures in einer Höhe weit oberhalb der Jahresfördermenge konzentriere sich zu weit über 90 Prozent auf lediglich vier nicht näher benannte “Handelsteilnehmer”. In Summe seien das unübersehbare Indizien für eine strategische, großangelegte Manipulationsabsicht.

Bill Murphy, Gründer von GATA (Gold Anti-Trust Action Committee) erläuterte u.a. die indirekte Bestätigung der Verdachtsmomente der letzten Jahre dahingehend, daß die deutsche Bundesbank zu sog. Gold-Swaps genötigt worden sei, wodurch weiteres Gold manipulativ in preisdrückender Weise physisch verliehen, also unwiederbringlich auf den Markt geschmissen hätte werden können. Denn: Axel Weber habe vor wenigen Tagen sensationell offen erklärt, auf die BuBa seien andere Zentralbanken mit der Bitte nach Gold-Swaps zugekommen.

Der IWF habe vor wenigen Jahren in diesem Zusammenhang fast alle Zentralbanken weltweit dazu verdonnert, in der Bilanz die Position "Gold und Goldforderungen" als einen Posten auszuweisen. Mehrfach wiesen Redner darauf hin, daß ein vergleichbares Vorgehen für normale Kaufleute (im Pleitefall) regelmäßig Gefängnisstrafe zur Folge hätte.